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Vor der Sauna
Foto: Christopher Hunt

Überblick

Eisbaden

Stockholm ist von Schnee und Eis bedeckt, als Göran und Ritva auf dem Badesteg stehen. Das Winterwetter hindert die beiden fast 80-Jährigen nicht an ihrem regelmäßigen Bad: Seit über 20 Jahren kommt das Paar einmal die Woche in den Vorort Saltsjöbaden, heizt die Sauna ein und taucht in das kalte Wasser.

Es ist Januar und das Thermometer zeigt +1,1 Grad. Mit anderen Worten: sehr sehr kalt. Doch Göran geht über den Steg und springt ohne zu zögern ins Wasser. Er schwimmt ein paar Züge und Ritva folgt ihm. Die beiden lachen und spritzen einander Meerwasser ins Gesicht, bevor sie wieder an Land gehen. 

Zum Anlass des Interviews tragen Göran und Ritva Badesachen, aber wenn sie allein sind, verzichten sie darauf. Viel wichtiger sind Badeschuhe, ohne die die Wärme aus dem Körper verschwindet. Ein paar Tropfen sind noch auf ihrer Haut, als sich Göran und Rita umarmen. „Du bist so schön warm“, sagt Göran, und Ritva entgegnet: „Das sollte man in meinem Alter auch sein. Richtig heiß.“

Ein kribbeliges Gefühl

„Für mich ist es genauso kalt wie für jeden anderen auch. Aber ich denke anders. Statt ‚Brr, ist das kalt!‘ denke ich: ‚Das ist großartig!‘. Wer meckern will, tut das bei zwei oder 20 Grad, aber ich genieße es“, sagt Göran, schenkt heißen Kaffee aus der Thermoskanne aus und beißt in eine von Ritvas hausgemachten Kardamomschnecken.

Seine Frau fügt hinzu: „Eisbaden hebt meine Stimmung an und gibt mir Energie. Es ist ein wundervolles Erlebnis. Hinterher breitet sich ein warmes, kribbeliges Gefühl im Körper aus, von den Beinen bis in den Bauch. Es ist, als ob meine Gefühle zu neuem Leben erwachen.“

Eiskaltes Schwimmen im JanuarGöran und Ritva Österberg trotzen dem Winter seit 20 Jahren. Foto: Christopher Hunt

Warum Eisbaden glücklich macht

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Winterbaden die Produktion von Glückshormonen anregt, Stress abbaut und die Schlafqualität verbessert. Wie geht das genau? Das kalte Wasser sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen, um die Wärme im Körper zu behalten. Gleichzeitig steigt der Blutdruck. 

Während sich der Körper vor dem Abkühlen schützt, werden Endorphine ausgeschüttet, die noch Stunden später wie Schmerzmittel und Antidepressiva wirken. Das Ergebnis: Eisschwimmer führen ein aktiveres Leben und fühlen sich glücklicher und erfüllter. 

 An der BadebuchtGöran and Ritva Österberg erfreuen sich seit 20 Jahren am Winterschwimmen in Saltsjöbaden bei Stockholm Foto: Christopher Hunt

Sonntag ist Badetag

Der Vorort Saltsjöbaden hat den Wasserspaß schon im Namen. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts kommen die Städter hierher, um sich im Meer zu erfrischen. Jeden Sonntag treffen sich Ritva und Göran mit anderen Schwimmern, trinken Kaffee und sitzen in der Sauna, um sich über das Leben zu unterhalten. Seit Beginn ihrer Badetradition führt Göran ein Tagebuch mit Fotos, Notizen zum Wetter und Erinnerungen an die Unterhaltungen.

Nicht einmal ein Sturm würde Göran und Ritva am Schwimmen hindern. Neben den positiven Auswirkungen auf die Gesundheit, die das Paar bestätigt, spüren sie sie beim Winterbaden ihren starken Zusammenhalt. Vor dem zweiten Sprung ins Wasser nehmen sich Göran und Ritva einen Moment Zeit, um über die von Eis bedeckte Buch zu schauen. „Man kann auch einfach nur die Stille genießen, entspannen und seinen Gedanken nachhängen.“ 

Vom Winter geformt

Schweden mag im Winter von Dunkelheit und Kälte gezeichnet sein, aber die extremen Jahreszeiten machen auch den Reiz des Nordens aus. Journalistin Jonna Dagliden Hunt hat von kreativen Schweden erfahren, wie sie den Winter nicht nur überstehen, sondern in der Kälte und Dunkelheit sogar aufblühen.

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