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Wohnzimmer von Svenskt Tenn
Wohnzimmer des Innenarchitekturgeschäfts Svenskt Tenn. Das Cabinet 881, das 1938 von Josef Frank entworfen wurde, steht neben dem Fenster.
Fotonachweis: Svenskt Tenn

Schwedische Möbel: 100 Jahre zeitloses Design

Die Anziehungskraft schwedischer Möbel geht auf Architekten und Designer zurück, die vor etwa hundert Jahren den Funktionalismus in den Norden geholt haben. Seitdem sind viele Klassiker entstanden, die man noch heute in schwedischen Wohnungen und Geschäften sieht. Die Gestalter der neuen Generation interpretieren den skandinavischen Minimalismus auf zeitgemäße Weise: langlebig und umweltfreundlich.

Das zeitlose Design schwedischer Möbel hat eine unwiderstehliche Anziehungskraft. Viele haben versucht, den schlichten Stil nachzuahmen, aber die perfekte Harmonie zwischen zurückhaltenden Farben und Formen gelingt eben nur den Schweden. Wenn du deinem Zuhause einen nordischen Touch verleihen möchtest, steht dir ein großes Sortiment zur Auswahl – von legendären Klassikern bis hin zu den neusten Kreationen zeitgenössischer Designer.

Inspiration vom Deutschen Werkbund

Wusstest du, dass die Wiege des schwedischen Designs in Deutschland steht? Schon um 1900 gab es hier Bestrebungen, Kunsthandwerker und industrielle Betriebe zusammenarbeiten zu lassen, um erfolgreiche Produkte in Serie herzustellen. Bis dahin hatte man in der Massenproduktion versucht, handwerkliche und traditionelle Ornamente nachzuahmen. Mit dieser seltsamen Ästhetik sollte Schluss sein – neue Technologien brauchten eine neue Formensprache. Um das zu erreichen, wurde in München 1907 der Deutsche Werkbund gegründet.

In Schweden war der Kunsthistoriker Gregor Paulsson (1889-1977) eine treibende Kraft in dieselbe Richtung: In seiner 1919 veröffentlichten Schrift „Vackrare Vardagsvara“ („Schönere Alltagswaren“) befürwortete er die massenhafte Herstellung wohlgeformter und durchdachter Gebrauchsgegenstände, die für jedermann zugänglich waren. Er wandte den deutschen Ansatz auf die nordischen Verhältnisse an und beeinflusste damit maßgeblich die Entwicklung des schwedischen Designs.

Im Jahr 1930 organisierte Paulsson – dann als Vorsitzender der schwedischen Vereinigung für Werkkunst (heute Svensk Form) – die „Stockholmer Ausstellung“ für Architektur, Design und Kunsthandwerk. Die Schau zog in vier Monaten vier Millionen Besucher an und markierte den Durchbruch des Funktionalismus in Schweden. Sie zeigte die neuen Möglichkeiten des Bauens, Wohnens und Einrichtens auf, die der Deutsche Werkbund und auch das Bauhaus in Deutschland sowie weitere Schulen in anderen Ländern schon Jahrzehnte vorher angestoßen hatten.

Bis heute hält sich die damals etablierte schwedische Version des „Neuen Bauens“. Durch den technologischen Fortschritt werden Architektur und Möbeldesign immer wieder verfeinert und nachhaltiger gemacht. Was den Stil angeht, bleiben die Designer jedoch meistens der zeitlosen Schlichtheit der ersten Stunde treu.

Schwedisches Design

Objekte von Svenskt Tenn im schwedischen verstellbaren und flexiblen Bücherregal String.

Foto: Amanda Westerbom/imagebank.sweden.se

Klassiker des schwedischen Möbeldesigns

Schwedische Qualitätsmöbel sind auf Langlebigkeit ausgelegt und werden oft von Generation zu Generation weitergegeben. In vielen Stockholmer Wohnungen ist die Einrichtung Jahrzehnte alt, wirkt aber noch genauso zeitgemäß wie damals, als sie entworfen wurde.

Eine Handvoll schwedischer Möbeldesigner hat Kultstatus und internationale Anerkennung erreicht. Einer davon war Bruno Mathsson (1907-1988), der vor allem durch seine formschönen Sessel bekannt wurde. Die geschwungenen Modelle „Pernilla“ und „Eva“ stammen beide aus den frühen 1940er-Jahren, während er das filigrane Modell „Mina“ erst 1978 entworfen hat. Bis heute werden Sessel und Stühle nach Mathssons Entwürfen hergestellt und in diversen Möbelhäusern verkauft. Eine gute Adresse für skandinavisches Wohndesign ist der Einzelhändler Svenssons i Lammhult, der einen Webshop und mehrere Filialen in ganz Schweden betreibt.

Auch Carl Malmsten (1888-1972) war ein bedeutender schwedischer Designer. Im Alter von 28 Jahren belegte er die ersten beiden Plätze bei einem Wettbewerb zur Gestaltung der Innenräume des Stockholmer Rathauses (Stadshuset). Die zu diesem Anlass entworfenen Möbel sind noch heute in Verwendung. Wie Mathsson setzte auch Malmsten auf weiche Silhouetten und entsprach mit seinen eleganten Entwürfen dem Zeitgeist des schwedischen Klassizismus der 1920er-Jahre. „In der Natur gibt es keine scharfen Kanten“, soll er einst gesagt haben. Bekannte Kreationen von Carl Malmsten sind die einladenden Sofas und Sessel der „Samsas“-Kollektion, der gemütliche Sessel „Farmor“ (was übrigens „Oma“ bedeutet) sowie der Holzstuhl „Lilla Åland“. Diese und viele weitere schwedische Möbel findest du im Geschäft „Malmstenbutiken“ in Stockholm, das von Liebhabern des skandinavischen Designs geschätzt wird.

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Das Malmsten Zimmer im Hotel Åregården

Das Wohnzimmer im Hotel Åregården ist nach dem Innenarchitekten Carl Malmsten benannt.

Foto: Mats Lind

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Das Malmsten Zimmer im Hotel Åregården

Foto: Mats Lind

Malmstenbutiken in Stockholm

Foto: Agence les Conteurs

Gleich daneben liegt praktischerweise ein weiteres Geschäft – nein: Möbelmekka! – das Designfans unbedingt besuchen sollten: Svenskt Tenn. Der Großteil des Sortiments wurde vom Österreicher Josef Frank (1887-1967) entworfen, der den Wiener Werkbund mitbegründet hatte, aber 1933 nach Stockholm auswanderte. Dort trat er in das Unternehmen Svenskt Tenn ein, und zusammen mit der Gründerin Estrid Ericson schuf er einige der gefragtesten Stücke der skandinavischen Designszene – vom eleganten Schrank Nr. 881 bis hin zu gemütlichen Sitzmöbeln wie dem Sessel Nr. 336 und dem Sofa 968. Interessanterweise wichen Frank und Ericson mit ihren verspielten Stoffmustern und geschwungenen Silhouetten deutlich vom minimalistischen Trend des Funktionalismus ab. Ihre Möbel, die auf Komfort ausgelegt sind, waren wie ein frischer Wind in einer Zeit, in der gerade Linien und viel Weiß den Ton angaben. Und deswegen sind die Sofas, Kissen und Lampenschirme wohl bis heute so unglaublich beliebt: Die Muster mit Blumen, Vögeln und Fantasieornamenten bilden hübsche Farbtupfer in jeder Wohnung und verleihen der Einrichtung Persönlichkeit.

Ganz aufs Wesentliche reduziert ist das modulare Regalsystem namens „String“, das ebenfalls einen Platz in der „Hall of Fame“ des skandinavischen Designs verdient. Dieses Bücherregal, das „mitwächst“, wurde 1949 vom Ehepaar Kajsa und Nisse Strinning entwickelt. Mittlerweile ist es in vielen Farben und Varianten erhältlich. Das Sortiment, aus dem sich jeder sein perfektes Möbelstück zusammenstellen kann, gibt's beispielsweise im Designladen Rum 21, der einen Onlineshop und eine Filiale in Stockholm hat.

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Svenskt Tenn

Handgemalte Gegenstände des Designers Luke Edward Hall im Svenskt Tenn, gesehen vor dem von Josef Frank entworfenen Textilen Hawai.

Foto: Svenskt Tenn

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Svenskt Tenn

Foto: Svenskt Tenn

Raumausstattung Svenskt Tenn

Foto: Svenskt Tenn

String -Regale

Foto: Therese Winberg/Johnér Bildbyrå

Möbel String

Foto: Christoffer Lomfors

Schwedische Designer der neuen Generation

Die nordische Designlandschaft entwickelt sich ständig weiter, und neue Talente werden in den Reigen der bekannten Namen aufgenommen. Das Traditionsunternehmen Swedese baut auf den Entwürfen des Mitbegründers Yngve Ekström (1913-1988) auf, dem wir unter anderem den berühmten Stuhl „Lamino“ von 1956 verdanken. Jedes Jahr wird ein neuer Designer eingeladen, aus den Produktionsabfällen der Fabrik im småländischen Vaggeryd neue Artikel zu bauen. Im Jahr 2020 entwarf das Designstudio Front – gegründet von Anna Lindgren und Sofia Lagerkvist – einen Wandspiegel aus Holzresten, die bei der Fertigung des Kultstuhls „Lamino“ anfallen. Der „Mirror“ besticht durch seine organische Form und das helle Holz. Die Möbel von Swedese sind über die Webseite des Unternehmens sowie bei ausgewählten Fachhändlern erhältlich. Ein guter Anlaufpunkt für skandinavisches Design ist außerdem die Nordiska Galleriet mit Geschäften in Stockholm und Göteborg.

Das 1995 gegründete Architekturbüro Claesson Koivisto Rune entwirft längst nicht mehr nur Gebäude, sondern hat sich zu einem gefragten interdisziplinären Designstudio entwickelt, das Hotels, Möbeln und Textilien passende Farben und Formen verleiht. Die drei Gründer Mårten Claesson, Eero Koivisto und Ola Rune sind dafür bekannt, die Lücke zwischen Funktionalität, Verspieltheit und Nachhaltigkeit zu schließen. Die Beistelltische der Serie „Amazonas“, entworfen für das schwedische Möbelunternehmen Offecct, fassen den Stil des Trios gut zusammen. Die Form ist inspiriert von den Baumkronen im Regenwald, und die Tische bestehen aus grün lackiertem Stahl, der zur Gänze recycelt werden kann. Ein Teil des Verkaufserlöses wird für ein Regenwaldschutzprojekt gespendet.

Ein weiterer bemerkenswerter Designer aus Schweden ist Jonas Bohlin (geb. 1953). Zu seinen erfolgreichsten Kreationen gehören der eckige, 1981 entworfene Stuhl „Concrete“ sowie die Schrankserie „Snö“ (Schnee), die in Zusammenarbeit mit dem Architekten Thomas Sandell für das schwedische Möbelhaus Asplund entstanden ist. Das Geschäft in Stockholm ist übrigens auch einen Abstecher wert.

Die Grande Dame des schwedischen Designs ist derzeit Monica Förster (geb. 1966). Sie entwirft Produkte für viele renommierte Unternehmen in Schweden und dem Rest der Welt, darunter Cappellini und Swedese. Erst 2020 hat sie die „Panda“-Serie für die Firma Modus konzipiert. Die üppigen Sitzmöbel, die an Marshmallows erinnern, folgen dem skandinavischen Designtrend hin zu weichen, leicht aufgequollenen Formen.

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Innenarchitektur von Swedese

Swedese ist ein klassischer schwedischer Möbelhersteller, der 1945 gegründet wurde. Mitbegründer Yngve Ekström entwarf 1956 seinen berühmten Lamino-Stuhl.

Foto: Swedese

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Innenarchitektur von Swedese

Foto: Swedese

Design von Swedese

Foto: Swedese

Inneneinrichtung von Swedstyle

Foto: Mike Karlsson Lundgren/Swedstyle

Und last, but not least: Julia Alfelt (geb. 1993) hat an der Tischserie „High-End“ für das Unternehmen Swedstyle mitgewirkt, das im Möbelreich in Småland ansässig ist. Die höhenverstellbaren Tische wurden speziell fürs Homeoffice entwickelt und zeichnen sich durch klare Linien und einen Hauch Industrial Style aus. Die Möbel bestehen aus Holz und schwedischem Stahl, wovon immerhin ein Viertel recycelt ist, und die gesamte Produktion erfolgt vor Ort in Südschweden. Du kannst sie direkt bei Swedstyle über den Onlineshop bestellen.

Mit diesen praktischen schwedischen Möbeln kommst du dem Traum einer Wohnung im zeitlosen Skandi-Style einen großen Schritt näher. Und wenn du doch erst mal nur gucken möchtest: Das Nordische Museum in Stockholm zeigt in seiner Daueraustellung „Wohnen und Einrichten“ (Hem och bostad) schwedische Möbel aus fünf Jahrhunderten.