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Sieben Sorten schwedischer Kekse
Diese Kekse sind Teil der schwedischen "Fika" - und "Kafferep" -Tradition.
Fotonachweis: Tina Axelsson/Visit Sweden

Das bekommt jeder gebacken: Fika mit sieben Kekssorten

Kein Schwedenurlaub ohne „Fika“: Die Tradition des Kaffeekränzchens mit Zimtschnecken und Karottenkuchen hat längst Kultstatus. Was heute selbst in den hippsten Cafés zelebriert wird, hat eine lange Geschichte. Der Vorgänger heißt „Kafferep“ und sieht neben Kaffee auch Teegebäck in sieben verschiedenen Sorten vor. Mit unseren Rezepten kannst du dir den Brauch nach Hause holen.

Der „Fika“-Brauch ist ein wesentlicher Bestandteil der schwedischen Esskultur. Der Begriff entstand im frühen 20. Jahrhundert, übrigens als scherzhafter Silbendreher vom Wort „Kaffi“ (eine alternative Schreibweise von „Kaffe“).

Ein halbes Jahrhundert zuvor hatte sich aber schon eine Tradition namens „Kafferep“ entwickelt: Beim „Kaffeekränzchen“ trafen sich Damen ausnahmsweise ohne Männer und Kinder, tranken Kaffee und gönnten sich sieben Arten von Gebäck, meistens Plätzchen („Sju Sorters Kakor“). Warum diese Zahl? Sieben war wohl die goldene Mitte zwischen Geizen und Prahlen. Bei aufwendigeren Veranstaltungen wurden neben Keksen auch Rührkuchen und/oder Zimt- und Kardamomschnecken aufgetischt.

Die Auswahl der Sorten war und ist den Gastgebern überlassen. Seit dem Jahr 2000 erlebt der typisch schwedische Brauch eine Renaissance, und aktuelle Favoriten auf der Kaffeetafel sind Butterkekse (Drömmar, also „Träume“), Schokoladenschnittchen (Chokladsnittar) und leicht zähe Nussplätzchen (Nötkakor).

Man weiß bis heute nicht genau, was die Endung „-rep“ bedeutet. Entweder geht sie darauf zurück, dass die Kaffeetrinkerinnen nebenbei Handarbeiten machten („repa“ steht dann für das Zerreißen und Reparieren von Stoffen). Oder sie hängt mit „repartisera“ zusammen, einem eleganten Wort für „Kosten aufteilen“. Das liegt nahe, weil ursprünglich jeder etwas zum süßen Gelage mitbrachte.

Kaffee und Kuchen als Keimzelle der Emanzipation

Der Kaffee wurde im 19. Jahrhundert in Schweden immer beliebter, doch zunächst war der Ausschank speziellen Kaffeehäusern vorbehalten. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelangte das Kultgetränk auch in die Haushalte der schwedischen Oberschicht, die sich und ihren Bekannten das eine oder andere „Kafferep“ gönnten. In den darauffolgenden Jahrzehnten etablierte sich die Tradition und breitete sich landesweit auf alle Ebenen der Gesellschaft aus.

Im frühen 20. Jahrhundert, als in den meisten Familien nur die Männer zur Arbeit gingen, gab das Kafferep-Ritual den Hausfrauen die Möglichkeit, die guten Tischdecken rauszuholen, ihre kulinarischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und sich auszutauschen. Zu diesen intimen Kaffeerunden waren meist nur die engsten Bekannten eingeladen.

Das Kafferep war aber nicht nur ein Fest der Süßigkeiten, sondern es hat in gewisser Weise auch zur Emanzipation der Frau in Schweden beigetragen. Die Köchin Lina Ahlin hat in einem 2011 veröffentlichten Essay dafür argumentiert, dass der Brauch im frühen 20. Jahrhundert den Wunsch der modernen Frau widerspiegelte, einen höheren gesellschaftlichen Rang zu erreichen. Zu diesem Ziel nutzte sie die Küche als Plattform. Bei ihren – nach außen hin unverfänglichen – Treffen haben die Damen einander angeregt, sich für eine gleichberechtigte Gesellschaft einzusetzen. In Schweden erlangten die Frauen erst 1919 das Wahlrecht und stiegen damals allmählich auch ins Berufsleben ein.

In den 1930er-Jahren erreichte die Plätzchen-Party den Höhepunkt ihrer Beliebtheit und wurde gerne in besondere Anlässe wie Taufen und Geburtstage integriert. Danach ebbte das Interesse ab, bis sich die Schweden um das Jahr 2000 wieder auf die Ursprünge der mittlerweile so beliebt gewordenen Fika besonnen. Der Kafferep-Brauch hat Tausende von Qualitätscafés inspiriert, die man heute im ganzen Land findet. Viele von ihnen bieten neben Torten, Zimtschnecken und Co. eine Auswahl an typisch schwedischen Plätzchen und anderem Kleingebäck an.

„Sieben Sorten Gebäck“: Schwedens Backbibel seit mehreren Generationen

Lust auf ein schwedisches Retro-Kaffeekränzchen im eigenen Wohnzimmer? Plätzchen in sieben Sorten zu backen, das mag nach viel Arbeit klingen, aber es ist einfacher, als es sich anhört: Mehrere Rezepte haben nämlich den gleichen klassischen Mürbeteig (auf Schwedisch „Mördeg“) als Grundlage. Er besteht aus Mehl, Butter und Zucker; manchmal kommt ein Ei hinein.

Dieser vielseitige Allrounder ist die Basis für allerlei knusprige Kreationen, und schon kleinste Ergänzungen wirken sich auf den Geschmack und das Aussehen aus. Wenn man schließlich die verschiedenen schwedischen Plätzchen nebeneinander anrichtet, ergibt sich ein unwiderstehliches Kaleidoskop aus Farben, Formen und Geschmacksrichtungen.

Das Ideal des Kaffeekränzchens mit verschiedenen Plätzchen ist in Schwedens kulinarischer Tradition so tief verwurzelt, dass es dafür ein eigenes Backbuch gibt: Es heißt schlicht „Sju Sorters Kakor“ und ist eine richtige Backbibel. Der Name lässt sich mit „Sieben Sorten Kekse“, aber auch mit „Sieben Sorten Gebäck“ übersetzen, denn neben Plätzchen finden sich darin auch Rührkuchen, Hefegebäck, Muffins und feine Torten – insgesamt 300 Rezepte! Die erste Auflage wurde 1945 veröffentlicht. Seitdem ist das Buch etwa vier Millionen Mal über den Ladentisch gegangen und gilt als Schwedens meistverkauftes Kochbuch. Daran sieht man, welchen Stellenwert Kaffee und Kuchen im Leben der Schweden haben.

Mit der Zeit wurde das Standardwerk mehrfach überarbeitet. Im Jahr 2017 ist die 100. Auflage erschienen, modernisiert von der Spitzenkonditorin Mia Öhrn. Mit Respekt vor der Tradition hat sie den Inhalt so angepasst, dass er den Essgewohnheiten und Küchenstandards von heute entspricht. Zum Beispiel musste die Margarine echter Butter weichen. Außerdem wurde ein Rezept für Vanillecreme hinzugefügt, die nicht aus Pulver, sondern von Grund auf frisch zubereitet wird. Auch neue Plätzchensorten wurden aufgenommen, darunter Karamellschnittchen (Kolasnittar) und die unglaublich beliebten „Himbeerhöhlen“ (Hallongrottor).

Als Schwedens Kuchenkoryphäe hat Mia Öhrn schon 20 Backbücher herausgegeben. Eines davon – „Süßes Fest: Schwedische Leckereien für Weihnachten“ ist auf Deutsch erhältlich (Thorbecke Verlag).

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Kekse Schachbretter

"Schackrutor" (Schachbretter) Kekse in der Herstellung.

Foto: Tina Axelsson/Visit Sweden

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Kekse Schachbretter

Foto: Tina Axelsson/Visit Sweden

Kekse Himbeerhöhlen

Foto: Tina Axelsson/Visit Sweden

Schokoladenschnittchen

Foto: Tina Axelsson/Visit Sweden

Sieben Sorten schwedischer Kekse

Foto: Tina Axelsson/Visit Sweden

Die beliebtesten Rezepte für ein „Kafferep“ zu Hause

Nun wollen wir dir unsere sieben Favoriten unter den typisch schwedischen Plätzchensorten vorstellen. Für drei davon bekommst du auch gleich die Rezepte – und zwar von keiner Geringeren als Mia Öhrn, die sich auch jeweils eine vegane Variante ausgedacht hat.

Brüsseler Kekse (Brysselkakor)

Die mit einem Hauch Vanille angereicherten „Brüsseler Kekse“ (Brysselkakor oder Brysselkex) sind flach, rund und ziemlich einfach in der Herstellung. Durch ihre rosafarbenen Ränder fallen sie sofort ins Auge. Die hübsche Farbe wird erzielt, indem du Zucker mit ein paar Tropfen roter Lebensmittelfarbe färbst und die Teigrolle darin wälzt, bevor du sie in Scheiben schneidest und bäckst.

Schokoschnittchen (Chokladsnittar)

Wenn schwedische Plätzchen „Schnittchen“ heißen, dann bedeutet das, dass sie in Rauten geschnitten werden. Die Variante mit Schokolade ist geschmacksintensiv und nett anzusehen: Der grobe Hagelzucker ergibt optisch einen starken Kontrast zum dunkelbraunen Teig. Als Alternative funktionieren auch andere Streusel.

Butterkekse namens „Träume“ (Drömmar)

Diese knusprigen, fast Baiser-artigen Leckerbissen, die im Mund förmlich zerfallen, erhalten ihre luftige Textur durch die Verwendung eines bestimmten Triebmittels: Hirschhornsalz, das überwiegend aus Ammoniumsalzen besteht. Vanilleextrakt verleiht den Plätzchen eine subtile Süße.

Himbeerhöhlen (Hallongrottor)

Diese prallen Plätzchen haben in der Mitte ein Loch, das man mit dunkelroter Himbeermarmelade füllt – daher der Name. Die Sorte ist in Cafés und auch bei den Schweden zu Hause am weitesten verbreitet. Die Plätzchen sind schnell gemacht und bestechen durch das Zusammenspiel von Süß und Säuerlich.

Haferkekse (Havrekakor)

Diese goldfarbenen Kekse sind unwiderstehlich knusprig und haben einen festen Platz in der Ruhmeshalle des schwedischen Kleingebäcks. Das Grundrezept ist einfach. Für zusätzlichen Biss und Geschmack kannst du Rosinen in den Teig geben. Außerdem kannst du die Kekse verfeinern, indem du sie zur Hälfte in geschmolzene Schokolade tauchst oder diese auf die Oberfläche träufelst. Egal, ob schlicht oder aufgepeppt: Haferkekse sind ein Hit auf der schwedischen Fika-Tafel.

Nussplätzchen (Nötkakor)

Dieser Fika-Klassiker ist herrlich dicht und zäh – man muss die Nussplätzchen bewusst genießen. Sie bestehen aus drei Zutaten: gemahlenen Haselnüssen, Zucker und Eiern. Die Mischung wird zu kleinen Halbkugeln geformt, in die man jeweils eine ganze Haselnuss als Verzierung drückt. Auch diese Plätzchen kannst du an einer Seite in Schokolade tauchen, um dich und deine Gäste besonders zu verwöhnen.

Schachbretter (Schackrutor)

Bevor diese zweifarbigen Plätzchen auf der Zunge zergehen, bilden sie hübsche Hingucker auf dem Fika-Tablett. Das Schwarz-Weiß-Gebäck besteht aus Teig mit Kakao und mit Vanille. Daraus werden Stränge geformt und so angeordnet, dass man beim Schneiden dünne Scheiben mit Schachbrettmuster erhält. Ein stilvoller Klassiker, der jedem schmeckt!

Schwedische Plätzchen: drei Rezepte von der Backmeisterin Mia Öhrn

Rezept Schokoschnittchen (Chokladsnittar)

Rezept Himbeerhöhlen (Hallongrottor)

Rezept Schachbretter (Schackrutor)

Mehr Infos zu Mia Öhrn auf ihrem Blog und ihrem Instagram-Account.

Rezept für Faschingsdienstaggebäck, auf Schwedisch: Semlor

Backe mit diesem einfachen traditionellen Rezept deine eigenen Semlor. Eine Semla (Plural: Semlor) ist eine köstliche süße Gebäckkugel, die mit Mandelmasse und Schlagsahne gefüllt ist. Sie wurden traditionell während der christlichen Fastenzeit verzehrt, doch eingefleischte Semla-Fans lassen sie sich von kurz nach Weihnachten bis Ostern schmecken.

Fika: mach es wie die Schweden

Der Fika-Brauch, also Kaffee trinken und Kuchen essen mit Freunden, ist so schwedisch wie ABBA. Du denkst: Was ist denn so besonders an einer Tasse Kaffee? Es ist viel mehr als das. Wir zeigen dir, was eine echte Fika ausmacht und was zum Kaffee am besten schmeckt, von Zimtschnecke bis Kladdkaka.

Artikel gesponsert von

EU and Swedish Board of Agriculture