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Next to a lake with lush forest around, there's a traditional red cottage and a small red guest house.
Traditionelles rotes Häuschen, Korrö, Småland
Foto: Alexander Hall/imagebank.sweden.se

Unterkunft

Die Schweden und ihr Sommerhaus.

Wir Schweden sind ein seltsames Volk. Wir lieben es, ein wenig zu leiden. Dabei leiden wir nicht unbedingt gerne unter Schmerzen, sondern vielmehr unter dem bittersüßen Gefühl, wieder nach Hause zu kommen. Dieses Gefühl der Melancholie dient uns als wundersames Heilmittel gegen die Widrigkeiten des Alltags.

Dabei ist der kürzeste Weg, seinen Seelenfrieden zu finden – wie allgemein bekannt sein dürfte – der Weg in die Natur. Und der führt bei uns hinaus aufs schwedische Land in seiner ganzen herrlichen Sommerpracht. Wenige Dinge berühren einen so, wie der Anblick eines Meeres aus bunten Wiesenblumen, die – von der aufgehenden Sonne wachgeküsst – aus dem Morgennebel auftauchen. Das ist einer der Gründe, warum das Sommerhaus so eine zentrale Rolle in unserem Leben spielt.

Ein gemeinsamer Traum

Man könnte denken, alle Schweden hätten ein solches Häuschen – tatsächlich haben gerade mal 51 Prozent Zugang zu einem. Aber dazu muss gesagt werden, dass die verbleibenden 49 Prozent davon träumen, eines zu haben.

Denn im Traum vom Sommerhaus verbinden sich zwei unserer wesentlichen Charakterzüge: Das Schwärmen für die verlorene Kindheit auf der einen und die unstillbare Sehnsucht nach Einsamkeit, dem Wunsch, sich in Frieden zurückzuziehen, auf der anderen Seite. Wir wollen Abstand gewinnen, und wenn schon nicht in echt, dann wenigstens im Kopf.

Heißt das, dass wir total unsozial sind? Nein, vielmehr, dass wir total gut darin sind, Einsamkeit zu genießen. Man könnte fast sagen, wir brauchen sie. Um unsere Batterien aufzuladen, Distanz zur Alltagshetze zu gewinnen und um zu einem ausgeglichen Blick auf die Dinge zurückzufinden. Ein echter Schwede muss eben ab und an sein eigenes Leid und seine Verzweiflung ausleben können, um die düstere Aussicht auf ein weiteres Arbeits-Jahr ertragen zu können.

Sommerwiese mit SommerhauEin traditionelles rotes Ferienhaus in einer schwedischen Sommerwiese. Foto: Jonas Forsberg/Folio/imagebank.sweden.se

Wir mögen es stereotypisch

Schon die Fahrt zum Sommerhäuschen ist eine Geschichte für sich. Bereits hier beginnt die Entspannung. Die Reise durch wogende Kornfelder und schattige Fichtenwälder versetzt dabei die Sinne in einen besonderen Zustand.

Stellen Sie sich vor, Sie wären von einer typisch schwedischen Sommerfamilie adoptiert worden. Sie sitzen im Auto auf dem Weg zur Ferienhütte, zum zweiten oder dritten Mal in diesem Jahr… vielleicht ist es Mai. Nehmen wir mal an, Ihre Familie hat eine einigermaßen weite Strecke zurückzulegen und hält unterwegs für einen schnellen Imbiss in einer Raststätte.

Und jetzt drehen wir die Zeit ein paar Jahrzehnte zurück. Die Strecke ist dieselbe, aber die Autofahrt dauert doppelt so lange und es gibt Leckereien aus dem Picknickkorb. Man isst auf einer frühsommerlichen Lichtung, auf die man über einen Feldweg gelangt ist. Ein Ritual, das nur einmal im Jahr stattfindet. Man fährt los, wenn die Sommerferien der Kinder beginnen und kehrt erst zurück, wenn die Schule wieder anfängt.

Jeder einzelne im Auto weiß, was kommt – die Idee der Sommerferien ist derart tief in uns verwurzelt, dass unser Leben nahezu vorbestimmt ist. Die Wünsche mögen sich im Detail unterscheiden. Manche wollen die ganze Zeit angeln gehen, mancher auf der Veranda schnitzen und ein anderer einfach dösen. Der mufflige Teenager weiß jedoch, dass man morgens nur so lange schlafen kann, bis aus der Küche der Ruf ertönt, man möge mit dem Fahrrad los und Milch kaufen. Die Eltern wissen genau, dass ihr Halbstarker einen großen Bogen um den kleinen Bruder machen wird und lieber mit dem neuen Freund am Strand abhängt. Oder am Kiosk im Dorf, um mit dem hübschen Mädchen, das dort arbeitet, einen Sommerflirt anzufangen.

Aber alle werden auf ihre Art die Einsamkeit suchen. Denn aus ihr zieht der Schwede die Kraft, das Leben zu meistern. Zwar versammelt sich die Familie zum gemeinsamen Abendessen – zum Nachtisch gibt es Beeren aus dem Garten – aber ansonsten nimmt sich jeder nach Belieben einen Joghurt oder ein Butterbrot und isst alleine mit einem Buch in der Hand oder im Gemüsegarten versunken. Dabei ist jede Art von Beschäftigung nur Fassade – es ist klar, dass die Gedanken ganz woanders sind: in einer melancholischen Reflektion des Lebens.


Die Politik formte das Haus

Dabei hat alles eigentlich ganz anders angefangen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts veränderte sich die Gesellschaft, der Lebensstandard verbesserte sich. In Deutschland und Frankreich wurden erschwingliche Autos gebaut: der Volkswagen und der Citroën 2CV. In Schweden hatte die Bevölkerung durch eine Übereinkunft von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Politikern mehr Freizeit und Geld für Urlaub im Ferienhaus zur Verfügung. Gemäß dem vorherrschenden protestantischen Zeitgeist sollten die neuerdings gesetzlich geregelten Ferien sinnreich genutzt werden – gesunde Aktivitäten an der frischen Luft waren angesagt!


The entrance of a traditional farm house from Hälsingland province with wood ornaments and painted decorations.
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Foto: Håkan Vargas S/imagebank.sweden.se
Die dekorierten Bauernhäuser von Hälsingland, Hälsingegårdar, wurden 2012 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.   Auf dem Bild der Bauernhof Jon-Lars in Alfta, Hälsingland.
Hälsingland |
Foto: Håkan Vargas S/imagebank.sweden.se

Mal es rot

Das klassische Rot – “Falu rödfärg” – ist eine Schlammfarbe, die traditionell aus einem Abfallprodukt der bekannten Kupfermine in Falun, Dalarna, stammt. Der flächendeckende Einsatz begann mit dem Streichen von faden Kirchen Fassaden auf dem Lande, die an teure Ziegelsteine erinnern sollten. Das machte schnell Schule und Mitte des 19 Jahrhunderts wurde es schließlich zum Standard. Die weißen Einfassungen stammten von in blassem gelb gestrichenen Kiefernholz, das an Eiche erinnern sollte.

Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politiker waren sich einig, den Menschen Zeit und Geld zu geben, um Ferien in Sommerhäusern zu verbringen

Das Schwedische Modell war eine einzigartige Allianz von Staat, Wirtschaft und Gewerkschaften. Und schaffte die Voraussetzung für das, was im Laufe der Zeit eine tief verwurzelte Liebe zum Rückzugsort auf dem Land werden sollte.

Die Idee wurde rasch zur Volksbewegung, und nicht selten bauten Unternehmen eigene Ferienhäuser für ihre Angestellten. Es waren kleine süße Häuschen, im Wesentlichen eine moderne Ausgabe der alten, rot gestrichenen Hütten der Landarbeiter und Soldaten. Der Standard war einfach. Und gegen Mitte des Jahrhunderts wurde es regelrecht chic, sein eigenes Sommerhäuschen zu bauen.

Die Beschreibung „einsame Lage” (auf Schwedisch „enskilt läge”) ruft in den meisten Schweden ganz besondere Gefühle hervor.

Und dann geschah etwas, das für die heutige Sicht der Dinge unglaublich wichtig ist: Wir entdeckten, dass man nicht nah beieinander bauen musste!

Auf einmal sehnten wir uns mehr als alles andere zurück zur Abgeschiedenheit und Einsamkeit des früheren Landlebens. Dieser Wunsch lebt in uns weiter, heute vielleicht noch stärker als je zuvor. Die Beschreibung „einsame Lage“ (auf Schwedisch enskilt läge) ruft in den meisten Schweden ganz besondere Gefühle hervor.

Ein Säule der schwedischen Kultur

Ingmar Bergman, der vielleicht hervorragendste Protagonist schwedischer Schwermut, verbrachte viel Zeit am Schreibtisch seiner Hütte auf der kargen Insel Fårö außerhalb Gotlands. Dort draußen hatten die Gedanken viel Platz und wurden nur unterbrochen vom täglichen Spaziergang hinunter zum Fähranleger, um die Abendzeitung zu kaufen. Von der Welt abgewandt konnte er seine Werke Gestalt annehmen lassen.

Bergman starb 2007, 89-jährig, ebendort auf Fårö. Er hatte beschlossen, sich nicht mehr vor dem Tod zu fürchten und ihn in Einsamkeit zu erwarten.

Andere Worte für unsere bittersüße Liebe zum Sommerhäuschen findet die schwedische Sängerin Barbro Hörberg in ihrem Lied „Sommarö“ (Sommerinsel) von 1973. Es ist eine berührende Momentaufnahme einer Ehe, aber mehr noch ist es eine Auseinandersetzung mit der Grenze zwischen gewollter und ungewollter Einsamkeit.

Das lyrische Ich des Liedes, eine Hausfrau in den besten Jahren, wird auf der familieneigenen Sommerinsel vom Ehemann geparkt, der unterdessen einen gutbezahlten Bank Job in London annimmt. Jenseits der schönen Naturschilderungen spürt man zwischen den Zeilen ihre Verbitterung und die stillen Vorwürfe: „Und ich fand wunderschöne Steine in der Brandung unten am Strand/Wir könnten – wie meinst Du? – nein, natürlich sind sie nur wertloser Tand.“

Alles ist möglich

Das Traumhaus kann heute genauso ein Vorzeigewerk minimalistisches Architektur als auch die abrissreife Hütte aus dem 17. Jahrhundert sein, an deren groben Blockhauswänden noch die Spuren von Axthieben zu sehen sind.

Größe und Komfort sorgen dabei nicht automatisch für mehr Begehrlichkeit. Eine eigene Insel mit Sandstrand und guter Anbindung ist natürlich höchst begehrt, aber oftmals landet man als Hauskäufer bei einem Objekt, das Kindheitserinnerungen weckt – sofern man es sich leisten kann. Komfort spielt da dann eine untergeordnete Rolle.

So ist beispielsweise die Frage, ob Innen- oder Außentoilette zwar eine Grundüberlegung aller Schweden, die statt zu arbeiten lieber auf der größten schwedischen Immobilienwebseite herumsurfen, aber in Wahrheit sind die meisten auch mit dem einfachsten Standard zufrieden. Selbst auf fließend Wasser kann verzichtet werden, wenn dafür in der Küche ein echter, alter Holzofen steht.

In anderen Worten: Wir sind auf der Suche nach einer besonderen Art Authentizität. Von daher ist es kein Ding der Unmöglichkeit, auf einem einfachen Plumpsklo den CEO der Börse Singapurs vorfinden, der vor einem an die Wand gemalten Herz hockt, von dem die Farbe abblättert.

Der Ursprung der schwedischen Sommerhäuschen ist dabei recht unterschiedlich. Wenn wir die hypermodernen Bauten außen vor lassen gibt es grob gezimmerte Katen mit Steinkaminen, einfache Arbeiterhütten mit dünnen Wänden und Linoleumfußböden sowie umgebaute, ehemalige Bauernhöfe.

Nach jahrzehntelangen Renovierungen ist das allgemeine Bild dann aber doch recht einheitlich, ganz abgesehen von den klassischen roten Fassaden. Die Kücheneinrichtung ist oft aus den 50er Jahren. Wenn es einen Holzofen gibt, wird dieser häufig durch einen einfachen Elektroherd aus den 90ern ergänzt. Für eine altmodische Küchenbank gibt es in den Häusern aller Epochen ein Plätzchen. Der Dachboden wurde zu einem Schlafloft umfunktioniert, und alle Betten bestehen aus einfachen Holzrahmen oder sind gar – was hoch angesehen wird – an Ort und Stelle gebaut. Besonders Eifrige reißen die Linoleumböden heraus und schleifen die darunter liegenden Eichenbohlen ab, aber im Grunde ist Linoleum gar nicht so verkehrt.

Es gibt große regionale Unterschiede – von den naturgrauen Almhütten der Weiden Norrlands über die zweistöckigen Häuser der Hügel Mälardalens zu den massiven Fachwerkhäusern Skånes.

Trotzdem ist es faszinierend zu sehen, dass Kinder im ganzen Land, wenn sie aufgefordert werden, ein schwedisches Sommerhäuschen zu malen, völlig übereinstimmend hübsche, rote Häuser mit Sprossenfenstern und einer Fahnenstange auf dem Rasen zu Papier bringen.

Wo große Namen Frieden finden

Die Ferien gelten in Schweden als Privatangelegenheit, und wenn Prominente Einblick in ihr Sommerdomizil gewähren, ist das stets von größtem Interesse. Die bekanntesten Häuser umgibt eine nahezu mystische Aura. Björn und Benny von ABBA entflohen dem Rampenlicht wann immer es ging und bezogen eine kleine, anspruchslose Hütte auf der Insel Viggsö in den Stockholmer Schären. In jener Abgeschiedenheit komponierten sie etliche der großen Hits der 70er Jahre wie „Ring, Ring“, „Fernando“ und „Dancing Queen“.

Kreatives Arbeiten und Sommerhäuschen gehören für viele kreative Schweden zusammen, aber meist geht es doch eher um Entspannung. Wenn die in Hollywood tätige Schwedin Malin Åkerman eine Pause vom Showbiz benötigt, fährt sie ins beschauliche Falsterbo an der südlichsten Landspitze Skånes. Den ehemaligen Fußballstar Fredrik Ljungberg zieht es in seine für ausschweifende Feste bekannte Heimat Båstad und Tylösand.

Eines der Dinge, für die die Schweden im Ausland bekannt sind, ist das besondere Streben nach Konsens in der Politik. Wir nennen das auch den „Geist Harpsunds“, benannt nach der Sommerresidenz des ehemaligen Ministerpräsidenten Harpsund in Södermanland. Denn dort war es, wo Tage Erlander – den viele Schweden gemeinhin als Landesvater betrachten – 1964 eine spontane Ruderfahrt mit Nikita Chruschtschow unternahm – eine Tradition, die seitdem unzählige ausländische Regierungschefs genießen durften.

Nichts erfüllt uns mehr mit Stolz, als wenn sich internationale Superstars ein eigenes kleines rotes Häuschen mit weißen Leisten zulegen. Wir nicken anerkennend, wenn Will Ferrell sich mit seiner schwedischen Frau im Örtchen Gnesta südlich von Stockholm niederlässt. Desgleichen, wenn Kofi Annan mit seiner schwedischen Frau den schönen Sommer im südöstlichen Schweden verbringt.

Gerade Ferrell hat immer wieder die schwedische Mentalität und unseren trocken Sinn für Humor gelobt. Aber im Grunde will er, genau wie wir, nur in Ruhe seinen Sommer genießen. „Sie sind hier, weil sie hier ihre Ruhe haben, sie wollen keinen Haufen Neugierige hier herumlatschen haben“, erzählte ein Nachbar der Lokalzeitung.

Auch Kofi Annan landete dank seiner Frau in Schweden. Ihr Sommerhaus im ländlichen Svalemåla auf der Insel Gyön liegt in der gleichen Gegend, in der auch Harry Martinson, der Nobelpreisträger für Literatur, seine Sommer zu verbringen pflegte.

Und dann gibt es da noch einen gewissen Luis Figo, einen der berühmtesten Fußballspieler der Welt, der in der Nähe des kleinen Ortes Sollefteå ein Haus gebaut hat. Hierbei ist anzumerken, dass es bei der Wahl der Sommerresidenz nicht darum geht, das schwedische Pendant der Hamptons oder des Comer Sees zu finden. Nein, Abgeschiedenheit ist hier das Maß der Dinge.

SchäreninselEine Insel im Archipel an der Westküste von Schweden. Foto: Per Pixel Petersson/imagebank.sweden.se

Wochen der Einsamkeit

Unsere Beziehung zum Ferienhaus ändert sich mit den Jahren. Der Wunsch nach Ruhe und Platz zum Denken gewinnt mit der Zeit an Bedeutung. Von den schlichten Abenteuerspielen der Kindheit mit Taschenmessern und Flitzebogen – mitunter auch dem Erlebnis, eine zu nahe gekommene Kreuzotter töten zu müssen – über die Umtriebigkeit der Heranwachsenden – es gibt schließlich so viel anderes im Leben zu entdecken – bis hin zum freudigen Wiederentdecken der Besinnlichkeit im jungen Erwachsenenalter.

Danach geschieht jedoch die tiefgreifende Veränderung. Wenn der Alltag mit Kindergarten und Karriere überhandnimmt, muss der Schwede weg. Weg von den Kollegen und all den anderen Ansprüchen des Lebens. Unsere Schwermut muss sich lösen, und das am besten den ganzen Sommer lang.

Die fünf gesetzlich vorgeschriebenen Ferienwochen werden bevorzugt am Stück genommen, um möglichst viel Zeit auf dem Land verbringen zu können. Oft teilen sich Eltern die Zeit auf, sodass die Kinder möglichst lange bleiben können – etwas, das sie oft erst in späteren Jahren als Erwachsene richtig zu schätzen wissen.

Zeit fürs Nichtstun

Der ursprüngliche, hundert Jahre alte Glaubenssatz, man habe während der Ferien aktiv zu sein, kann heute getrost vergessen werden. Selbst die größte Sportskanone macht, wenn sie die weite Strecke zur Sommerhütte zurückgelegt hat – nichts. Die Statistik gibt uns da ein deutliches Bild.

Ganz oben auf der Wunschliste landen „ausruhen“, „allein sein“, „entspannen“, „lesen“ und das etwas vage „Freiheit“. 53 Prozent wollen einfach nur „schlafen“. 77 Prozent wollen es „ruhig angehen lassen“.

Die etwas aktiveren Beschäftigungen wären Angeln, Schwimmen, sich Sonnen, Kaffeetrinken und Grillen. Letzteres darf ruhig jeden Abend geschehen und ist ein umfangreiches Hobby, für das man gerne in aufwändige Räuchergrills und exklusive, lokale Delikatess-Grillsaucen investiert.

Es besteht allerdings berechtigter Grund zur Annahme, dass diese angeblichen Aktivitäten nur der Umfrage halber vorgetäuscht werden. Beobachten Sie einmal eine zufällig ausgewählte Ferienhütte und Sie werden merken, dass Kartoffelschälen auf der Verandatreppe das aufregendste Ereignis des Tages gewesen sein wird. Oder dass jemand die letzten fehlenden Buchstaben in einem alten Kreuzworträtsel ergänzt.

Dieser Seelenfrieden, dieser uns heilige Müßiggang, ist natürlich eine Reaktion auf den Stress, der das Leben des modernen Menschen weltweit prägt. Das einzigartig Schwedische daran mag die Suche nach einer bestimmten Art der Besinnung sein, bei der alles Gekünstelte abgelegt wird. Vielleicht kann man es am besten mit einem anderen bekannten Ausdruck beschreiben: Zeit für sich selbst zu finden.

So ist es doch etwas überraschend, dass „Familie treffen“ weit oben auf der Aktivitätenliste landet. Natürlich mögen wir unsere Verwandten, aber das Sommerhäuschen ist oft im gemeinsamen Familienbesitz – die Ferienzeiten müssen kompliziert abgesprochen, die Arbeitsaufgaben gerecht verteilt werden. Früher oder später kommt es zum Streit über die Kosten oder einen eventuellen Verkauf. Alle Schweden können Geschichten von Familien erzählen, die sich über ihre Häuschen entzweit haben. Es ist einfach, sich Ingmar Bergman vorzustellen, wie er oben im Himmel sitzt und mit dünnem Lächeln auf das tragische Nachspiel herunter blickt.

Ganz oben auf unserer Wunschliste landen „ausruhen”, „allein sein“, „entspannen“, „lesen“ und das etwas vage „frei sein“.

Was Schweden antreibt

Hingegen kann man sich nur schwer vorstellen, dass unsere Liebe zum Sommerhäuschen jemals vergehen wird. Unserem wundervollen Sommer mit seinem hohen Gras am Waldrand und dem trockenen Kies unter unseren Füßen auf dem Weg zum Kiosk wohnt halt ein ganz besonderer Zauber inne. Und mit unserem eigenen Haus – egal ob großem Schloss oder kleiner Kate – haben wir alles, was wir brauchen. Und das gilt für jede Generationen und für jedes Naturell. Nur dort können wir wir selbst sein.

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Foto: Ola Ericson/imagebank.sweden.se
Der Stockholm Schärengarten erstreckt sich über eine Fläche von 1700 km² und verfügt über 30 bis 35 000 Inseln, Inselchen und Schären.
Stockholm |
Foto: Ola Ericson/imagebank.sweden.se