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Andreas Lyckefors am Freihafen in Göteborg
Foto: Anton Olin

Reisetipps

„Göteborg ist wie eine Spielwiese für Architekten“

Andreas Lyckefors ist der Leiter von Bornstein Lyckefors, dem vielfältigen, preisgekrönten und wohl auch aktuell angesagtesten Architekturbüro Göteborgs. Dies ist sein Insider-Guide über das Beste, was Göteborg in puncto Architektur, Design und Mode zu bieten hat.

Ein Insider-Guide – mit Andreas Lyckefors Es dauert ein Weilchen, bis der gefeierte Architekt Andreas Lyckefors in Gang kommt, aber sobald er begonnen hat, die spannendsten Orte für Architektur-, Mode- und Designinteressierte aufzuzählen, ist er kaum zu stoppen. „Man kann für seine eigene Stadt leicht betriebsblind sein“, meint er entschuldigend, als er eine kleine Atempause einlegt, bevor er sich der nächsten verborgenen Perle in Schwedens zweitgrößter Stadt widmet. 

Und genau darauf – dass sie die zweitgrößte Stadt ist – kommt Andreas Lyckefors auch wieder zurück, als er gebeten wird, Göteborg als Reiseziel für Designfans zu beschreiben. Seiner Ansicht nach ist Göteborg genau wie Antwerpen, Rotterdam und Hamburg ein freierer und kreativerer Ort als die jeweilige Hauptstadt dieser Länder. Und was Göteborg vielleicht an renommierten Instituten fehlen mag, macht es mit Eigenschaften wieder wett, die in einer Stadt, die nicht um Anpassung bemüht ist, sondern das Individuelle hervorheben möchte, aufblühen können. 

Dementsprechend beschreibt er Göteborgs Stadtzentrum auch als architektonischen Schmelztiegel, doch das Zentrum des Geschehens sei momentan nicht die Stadtmitte. Denn die spannendsten Aspekte des Wachstums von Göteborg finde man in anderen Stadtteilen. Zum Beispiel auf dem alten Werftgelände am Hafen Frihamnen, wo sich ein völlig neuer Stadtteil herausbildet, der Göteborg seine langersehnte Verbindung zum Meer schenkt. Oder in Hisingen im Göteborger Norden , wo so viel vor sich geht, dass Andreas Lyckefors das Viertel als eine Spielwiese für Architekten beschreibt. Diese kreative Stadt ist es, die Bornstein Lyckefors als Inspiration und Muse dient, wenn das Architekturbüro das entwirft, was es als sehr symbolträchtige, kommunikative Gebäude bezeichnet. Und so formuliert der Namensgeber selbst seine besten Tipps für die Designszene Göteborgs:


01. Beschlagene Fenster am Hafen

„Bastun (die Sauna) ist ein wirklich cooles Bauwerk mit einem Pool im Hafenbecken, mitten drin im Hafen Frihamnen. Sowohl der Standort als auch das kollektive Engagement der Einwohner der Stadt, die beim Bau der Sauna mitgeholfen haben, haben etwas zutiefst Göteborgsches. Das Gebäude ist für Göteborg als alte Hafenstadt von großer symbolischer Bedeutung, da es den Anfang des Wandels des ehemaligen Werftgeländes hin zu etwas markiert, das eine der spannendsten Lokalitäten der Stadt werden wird. Die Sauna am Hafen Frihamnen ist sehr wichtig für den Zukunftsglauben der Stadt, und gleichzeitig ist sie ein vollkommen einzigartiges Erlebnis. Und noch dazu völlig kostenlos.“ 

Bastun i Frihamnen, Frihamnen 7

Sauna, mitten im Hafen Frihamnen in GöteborgDas Saunagebäude ist für Göteborg als alte Hafenstadt symbolisch wichtig, weil es den Beginn der Transformation des Gebietes markiert. Foto: Anton Olin

02. Die Lebensmittelhalle als Fokuspunkt

„Kville Saluhall (die Lebensmittelhalle) in Hisingen ist ein schönes Stück Architektur von Gustav Appell, das vor ein paar Jahren für Schwedens renommierteste Architekturauszeichnung, den Kasper-Salin-Preis, nominiert war. Hisingen war lange Zeit von sozialen Problemen geprägt, aber ich habe das Gefühl, dass Saluhallen (die Lebensmittelhalle) ein Wendepunkt für das Viertel ist. Heutzutage ist Hisingen wie eine Spielwiese für Architekten, auf der zahlreiche aufregende Projekte vor sich gehen. Ein Beispiel ist der Turm Karlatornet, der mit 240 Metern das höchste Gebäude in Skandinavien sein wird. Aber Hisingen ist schon heute ein kreativer Schmelztiegel, mit Saluhallen als offensichtlichem Fokuspunkt. Akbars Chark, ein Delikatessengeschäft für Fleisch- und Wurstwaren, ist ein Highlight unter dem soliden Lebensmittelangebot der Saluhallen, das von Frischfisch bis zu mexikanischen Speisen reicht.“  

Kville Saluhall, Gustaf Dalénsgatan 2


03. Eine Boutique, in der Herrenmode und Design miteinander verschmelzen

„Miksajo ist gleichermaßen Galerie und Modegeschäft. Der Gründer Ali Davoodi hat auch eine Modenschau namens ‚Fresh Fish‘ für aufstrebende Designer ins Leben gerufen. Miksajo verbindet Mode und Kunst zu einer modernen Boutique für Herrenbekleidung, Accessoires und Design. Und als Sahnehäubchen zeichnet Staffan Holm, einer der besten Möbeldesigner in Schweden, für die Innenausstattung verantwortlich. Als ich das letzte Mal bei Miksajo war, fand ich den Kalksteintresen so inspirierend, dass ich eine ähnliche Küchenarbeitsplatte für das Haus bestellte, das ich momentan für meine Familie entwerfe.“ 

Miksajo, Vallgatan 14

Miksajo in GöteborgMiksajo ist ebenso eine Galerie wie ein Geschäft. Foto: Anton Olin


04. Klassizismus und Designbücher

„Über den Götaplatsen in Göteborg kann man sagen, was man will, aber manchmal fühlt es sich an, als würden alle Wege dorthin führen statt nach Rom. Und sobald man dort angekommen ist – was man zweifellos tun wird –, sollte man die Gelegenheit wahrnehmen, neben Göteborgs legendärer Poseidon-Statue von Carl Milles auch noch drei historische Ausdrucksformen des Klassizismus zu bewundern: die Konzerthalle, das Stadttheater und das Kunstmuseum. Letzteres beherbergt auch den Designbuchladen Konst-ig. Das ist genau die Art Geschäft, die ich auf Reisen besonders gern entdecke, ein Geschäft, in dem Stunden wie im Flug vergehen können, während man sich in Reihen von wunderbaren Designbücher verliert.“ 

Konst-ig // Göteborgs Kunstmuseum, Götaplatsen 6


05. Wenn aus Wohnungen Design-Highlights werden

„Mein Architektenkollege Johannes Norlander würde es vielleicht nicht so ausdrücken, aber für mich ist sein Studio 1 wie italienische Pasta. So wie die besten italienischen Nudelgerichte aus einfachen Zutaten bestehen, ist Studio 1 ein strikt auf das Wesentliche reduziertes, aber gleichzeitig unglaublich reichhaltiges Erlebnis. Dieses preisgekrönte Projekt wurde als Ganzes, aber mit einer außerordentlichen Liebe zum Detail konzipiert, und das Ergebnis ist sowohl erschütternd hart als auch kompromisslos. Studio 1 ist so gut, dass dieser Wohnblock zu einem Anziehungspunkt geworden ist, den man einfach gesehen haben muss.“

Studio 1, Sten-Åke Cederhöksgata, Örgryte Torp 

06. Eine kulinarische Reise nach Westschweden

„Es ist vielleicht ein bisschen dreist von mir, ein Projekt von Bornstein Lyckefors vorzuschlagen, aber das Koka ist wirklich etwas Besonderes. Nicht nur wegen der kulinarischen Reise, auf die das Sieben-Gänge-Menü des Koka den Gast mitnimmt, sondern auch wegen der Geschichte hinter dem Essen. Der Restaurantbetreiber Björn Persson hatte bereits ein mit einem Stern bewertetes Restaurant im Guide Michelin, warf diesen aber fort, um ein neues Konzept zu schaffen, mit dem er zeitgenössische westliche schwedische Gastronomie ausstrahlen wollte. Wenn das Essen das Gemälde war, dann bestand unser Auftrag darin, Rahmen und Passepartout in Form von Innenausstattung und Stil zu schaffen. Björn bekam seinen Michelin-Stern zurück – und wir wurden für den Guldstolen-Preis 2016 in der Kategorie beste Innenausstattung nominiert.“     

Koka, Viktoriagatan 12


07. Ein Tagesausflug zu Skulpturen – und Schafen

„Wer gern eine Tagestour machen möchte, für den ist Pilane in Tjörn das perfekte Reiseziel. Es ist eine alte Begräbnisstätte, die sich von Juni bis September in einen Skulpturenpark verwandelt, dessen Besucher sich zwischen Schafweiden und Kunstwerken ergehen können, mit der Küste von Bohuslän als Hintergrund. Die Künstler variieren, und in den letzten Jahren haben unter anderem Tony Cragg und Maria Miesenberger Skulpturen beigesteuert. Pilane ist sowohl ein Kunst- als auch ein Naturerlebnis und ein echter Höhepunkt für jeden Samstag. Ich verbinde das meist mit einem Besuch des nordischen Aquarellmuseums, das ganz in der Nähe liegt.“  

Pilane, 471 92 Klövedal


08. Genau wie in Paris zu Anfang des 20. Jahrhunderts

„Ich habe nie im Pigalle übernachtet, aber wenn ich ein Tourist in Göteborg wäre, würde ich keine Sekunde zögern.  Es ist ein Boutique-Hotel mit persönlicher Atmosphäre, das meilenweit von den genormten Hotelkonzepten entfernt ist. Die Farben und Formen verströmen sündhaftes Pariser Flair vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Es atmet Luxus, Wärme, Leidenschaft. Mit den Betreibern des Pigalle haben wir schon früher gearbeitet, aber als sie das Pigalle eröffneten, besaßen sie schon so große Routine im Entwickeln starker Konzepte, dass sie alles in Eigenregie gestalteten. Und es ist ein fantastisches Werk geworden, das Pigalle ist wirklich einzigartig. Darüber hinaus liegt es direkt im Stadtzentrum.“

Hotel Pigalle, Södra Hamngatan 2A