Schwedens offizielle Website für Tourismus und Reiseinformationen

Steffi Tauscher
Foto: Magnus Klang

Unterkunft

Steffi Tauscher - die Polizeibeamtin

Steffi Tauscher arbeitet als Polizeibeamtin in München. Vor der Studie war sie gespannt darauf zu sehen, ob 72 Stunden in der schwedischen Natur ihr helfen können, Abstand von ihrem stressigen Leben zu gewinnen.

Beschreibe deinen stressigen Alltag als Polizistin.

Nicht zu wissen, was während der nächsten Schicht passiert, ist ein stressiger Aspekt des Berufs. Bei einem Einsatz muss ich jede Sekunde hundert Prozent geben. Ich muss mit den Opfern eines Verbrechens fühlen, und wenn es einen Einbruch, Raub oder eine Vergewaltigung gab, muss ich mich um die Angehörigen kümmern und gleichzeitig mit einem Todesfall beschäftigen.

Was ist das Stressigste an deinem Beruf als Polizeibeamte?

Stressigen Alltag erlebt man während jeder Schicht und man weiß nie, was als nächstes passiert.

Was erwartetest du dir von deinem Aufenthalt in der schwedischen Natur?

Ich freute mich darauf, in einer neuen Umgebung zu entspannen und Erfahrung darin zu sammeln, wie ich mich schnell beruhigen kann. Dabei wollte ich Zeit in der Natur verbringen und mit neuen Leuten plaudern.

Jetzt, nach der Fallstudie: Was hat dich an der schwedischen Natur am stärksten beeindruckt?

Die Schönheit und Ruhe von unberührter Natur, fernab von Massentourismus. Das tiefe Grün der Bäume und kristallklares Wasser im See in Trinkwasserqualität.

Wie würdest du den schwedischen naturnahen Lebensstil jemandem beschreiben, der ihn nicht erlebt hat?

Rückbesinnung auf die Ursprünglichkeit. Ein Schritt aus der mit den modernen Errungenschaften überlasteten hektischen Welt - hin zu Ruhe und Selbstbesinnung nach einer kurzen Autofahrt. 

Was ist dein bleibender Eindruck von Schweden - als du ankamst und jetzt, ein paar Wochen später?

Bisher habe ich meinen Urlaub immer anders geplant. Ein Hotel am Meer, mit den Angenehmlichkeiten von Frühstücksbuffet und Roomservice, war für mich der Inbegriff von Erholung. Ich habe nach den 72 Stunden festgestellt, dass ich mich als Abwechslung zu meinem stressigen Alltag doch eher nach der absoluten Ruhe sehne. Sie tut sehr gut, ist mit der richtigen Ausstattung nicht unkomfortabel oder anstrengend. 

Gab es etwas, das dich überraschte?

Selbstgesammelte Pilze oder einen selbst geangelten Fisch über dem Lagerfeuer zu zubereiten klingt im ersten Moment nach Arbeit und Stress; tatsächlich ist es eine fast spirituelle Erfahrung, so nah an der Natur zu sein. 

Wie würdest du die Auswirkungen deines Aufenthalts beschreiben?

Ich hatte Zeit, über mich und mein Leben nachzudenken. Dinge, die ich aktuell tue, zu hinterfragen; ganz ohne Ablenkung. Ich habe dazu in der schwedischen Natur die notwendige innere Ruhe gefunden. Ich bin glücklicherweise zu der Erkenntnis gekommen, dass ich sehr froh sein kann, das Leben zu führen, das ich habe, mit meinem Partner, meiner Arbeit und meinem Lebensstil - dass es auf der anderen Seite aber auch wichtig ist, sich zu besinnen, dass dies alles nicht selbstverständlich ist. Eine weitere Erkenntnis ist, dass man noch mehr auf seine Umwelt und die Natur achten muss. Sie kann einem viel zurück geben. Für mich sind das auch Neue, fast philosophische Ansätze, sich über das Leben und Sein Gedanken zu machen, etwas, was ich von mir bisher so nicht kannte. In Zukunft werde ich meine Urlaube anders planen, auch wenn nur kurz Zeit bleibt. Ruhe und Erholung findet man in der Natur und nicht im Hotelresorts. 

Welcher Teil der 72 Stunden war der beste?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Die gesamten 72 Stunden waren eine sehr beeindruckende Erfahrung. Die hübschen Kabinen und eine wundervolle Landschaft. Neue Erlebnisse wie Flusskrebse fangen, angeln und Essen am Lagerfeuer zu zubereiten. Das erste Mal ganz allein in der Natur zu übernachten und festzustellen, dass es keine Grund gibt, sich zu fürchten. Die ausnahmslos tollen Menschen, mit denen ich dieses Erlebnis teilen konnte und nicht zu vergessen, die die sich um uns gekümmert haben. 

Was ist die stärkst Erinnerung, die du mit nach Hause genommen hast?

Als ich mir am letzten Morgen das vor meine Kabine im See gelegene Kanu genommen habe, mit einer Kanne heißen Tee und warm eingepackt allein auf den See gepaddelt bin. Ich habe die Bootsspitze in Richtung der gerade über den Wald aufgehenden Sonne gedreht, mich zurück gelehnt und die absolute Ruhe und atemberaubende Schönheit der Umgebung genossen.

Und wie geht es weiter?

Es gibt noch so viel zu sehen. Den Süden Schwedens durfte ich schon kennen lernen, da hier eine Freundin wohnt. Ich muss noch mehr von Dalsland sehen. Ich möchte unbedingt an die Küste Westschwedens. Ich weiß auch, dass ich nicht das letzte Mal auf Henriksholm gewesen bin. Die Insel hatte eine unbeschreiblich starke Anziehungskraft auf mich. Ich werde zurückkommen. Für den Spätsommer nächsten Jahres plane ich eine Tour mit einem Camper durch Schweden für ein paar Wochen, nicht zuletzt inspiriert durch "The72 Hour Cabin". 

Steffi Tauscher - die PolizistinSteffi Tauscher - die Polizistin

Unsere Initiative The 72 Hour Cabin

"Ich bin aufgewacht, und der See und die hohen Bäume waren das erste, was ich sah. Da habe ich gemerkt: Es ist kein Traum – ich bin wirklich hier. Ganz lange habe ich einfach in die Natur geschaut, bis ich es endlich aus dem Bett schaffte." - Baqer Keshwani, Teilnehmer bei The 72 Hour Cabin

Zum Thema