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Vikings: Valhalla, Netflix
Folge 102 von Vikings: Valhalla
Fotonachweis: Bernard Walsh/Netflix © 2021

Die legendären Wikinger – keineswegs gehörnte Haudegen

Seit Jahrhunderten beflügeln die Wikinger die Fantasie aller Altersgruppen. Mit der Serie „Vikings: Valhalla“ und dem Film „The Northman“ haben sie in letzter Zeit wieder unsere Bildschirme erobert. Die frühen Skandinavier werden zwar gerne als blutrünstige Krieger dargestellt, haben aber genauso als geschickte Bauern, Schiffsbauer und Handwerker gelebt.

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Szene aus The Northman

Der schwedische Schauspieler Alexander Skarsgård spielt Amleth im Wikinger-Epos THE NORTHMAN von Regisseur Robert Eggers, eine Produktion von Focus Features.

Foto: Aidan Monaghan / © 2022 Focus Features, LLC

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Szene aus The Northman

Foto: Aidan Monaghan / © 2022 Focus Features, LLC

Vikings: Valhalla, Netflix

Foto: Bernard Walsh/Netflix © 2021

Die bewegte Geschichte der Wikinger, die Jung und Alt seit Jahrhunderten faszinieren, begann um das Jahr 700 n. Chr. und dauerte bis ins 11. Jahrhundert an. Aber woher kamen die Wikinger und was führten sie im Schilde? Diese furchtlosen Seefahrer verließen ihre heimatlichen Gefilde in den heutigen skandinavischen Ländern – Schweden, Norwegen und Dänemark – und machten sich in fachmännisch konstruierten Langschiffen auf den Weg, um Handel zu treiben, fremde Siedlungen zu überfallen und bessere Orte zum Leben zu finden.

Sie eroberten viele Küstengebiete Europas, unter anderem im heutigen Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien, Weißrussland und Russland sowie in der Ukraine. Ein Überfall, der zum kaltblütigen Ruf der Wikinger beigetragen hat, wurde besonders gut dokumentiert: Im Sommer 793 griffen sie das Kloster Lindisfarne im nordostenglischen Northumbria an. Bewaffnet mit Äxten und Schwertern brannten sie Gebäude nieder und rissen sich Schätze unter den Nagel. Auf diesen Angriff folgten noch weitere Wikingerfeldzüge nach Westeuropa.

Friedliche Bauern und starke Frauen

Das Wort „Wikinger“ stammt aus der altnordischen Sprache, wo das Verb „víkingr“ so viel wie rauben und plündern bedeutete. Die nordischen Völker wurden zu Recht für ihre rücksichtslosen Beutezüge gefürchtet. Und doch führten sie ein Leben mit vielen Facetten und Tätigkeiten. Die Wikinger waren freigeistige, mutige und innovative Entdecker und bereisten die Welt bis nach Nordamerika und Asien.

Obwohl die barbarischeren Wikingergeschichten, die ein schamloses Maß an Gier und Gewaltbereitschaft abbilden, in der heutigen Popkultur überwiegen, führten die meisten „alten Schweden“ mit ihren Familien ein friedliches Leben als Bauern. Dabei übernahmen auch die Frauen wichtige Aufgaben: Sie hatten die Verantwortung für die Höfe, wenn ihre Männer auf See waren. So manche Frau fuhr sogar mit, und zwar als Kriegerin oder „Schildmaid“. Die Wikingerfrauen genossen mehr Rechte als viele Zeitgenossinnen. Zum Beispiel konnten sie sich von ihren Ehemännern scheiden lassen.

Die Wikinger kannten sich nicht nur mit Landwirtschaft und Tierhaltung aus, sondern sie waren auch erfinderisch und beherrschten zahlreiche Handwerksdisziplinen. Als erfahrene Silberschmiede fertigten sie Schmuck und Ornamente aus Silber, Gold und anderen Metallen, die mit Stolz getragen wurden. Von natürlichen Materialien verwendeten sie jeden Rest für Textilien und Alltagsgegenstände. Beispielsweise wurde das berühmte „Trinkhorn“ aus den Hörnern von Nutztieren hergestellt.

Gewissermaßen findet die schwedische Gesellschaft in letzter Zeit wieder zu ihren Wurzeln zurück, wenn es um Nachhaltigkeit und einen achtsamen Umgang mit den Ressourcen der Natur geht.

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Wikingerleben im Wikingermuseum Foteviken, Skåne

Lerne mit Holz arbeiten, Münzen prägen, kochen und vieles mehr im Foteviken Museum in Skåne.

Foto: Foteviken museum

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Wikingerleben im Wikingermuseum Foteviken, Skåne

Foto: Foteviken museum

Wikingeraxt, Museum für schwedische Geschichte, Stockholm

Foto: Björn Gustavsson SHMM

Nachstellung einer Schlacht im Wikingerdorf Birka

Foto: Strömma Kanalbolaget

Geschäftstüchtige Geschichtenerzähler

Die Wikinger waren einfallsreiche Unternehmer mit einem Gespür für lukrative Geschäftsmöglichkeiten. Auf ihren Erkundungstouren wurde keine Gelegenheit zum Handeln ausgelassen. Auf ihren Reisen durch Europa und bis nach Zentralasien tauschten sie Waren wie Honig, Zinn, Weizen, Wolle, Holz, Eisen, Fell, Leder, Fisch und Walrosselfenbein gegen Silber, Seide, Keramik, Gewürze, Wein, Schmuck und Glas. Es ist überliefert, dass die Wikinger vor Abschluss eines Geschäfts eine Klappwaage herausholten, um sicherzugehen, dass sie nicht übers Ohr gehauen wurden.

Als geschickte Handwerker verfeinerten die Wikinger Holz und Metall zu dekorativen Objekten. Die Silberschmiede unter ihnen hatten gut zu tun, denn sowohl Frauen als auch Männer stellten ihren Status mit Armreifen, Amuletten und anderem Schmuck zur Schau. Aber als größte handwerkliche Meisterstücke gelten die Langschiffe: präzise konstruierte Ruderschiffe, mit denen die Wikinger schnell reisen und einfach an Land gehen konnten.

Die skandinavischen Seefahrer hatten außerdem einen Sinn für die Sprache. Ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebensstils war nämlich das Geschichtenerzählen. Einige Sagen der Wikinger sind durch die vielen Runensteine überliefert, die man in Schweden und darüber hinaus gefunden hat. Ein prominentes Beispiel ist der Frösöstein (Frösöstenen) in Jämtland. Ein schlangenartiges Muster umgibt einen Text, der sich folgendermaßen übersetzen lässt: „Austmaðr, Guðfastrs Sohn, ließ diesen Stein errichten und diese Brücke bauen und christianisierte Jämtland. Ásbjörn baute die Brücke. Trjónn und Steinn haben diese Runen eingeritzt.“ Weiter nördlich in Skandinavien wurden (noch) keine aufgestellten Runensteine

Walhall und die Götter der nordischen Mythologie

Der heidnische Glaube nährte die furchtlose Abenteuerlust der Wikinger, denn der nordischen Mythologie zufolge kamen im Kampf gefallene Helden nach Walhall. Diese ruhmreiche Ruhestätte stellten sich die Wikinger als prächtige Halle in Asgard vor, wo ihre Götter zu Hause waren. Doch an welche Götter glaubten die Wikinger eigentlich?

Wie die Wikinger selbst sind auch ihre Gottheiten komplexe Charaktere. Ihr Hauptgott heißt Odin: Er ist der König der Asen sowie der Gott des Krieges, der Weisheit, der Poesie und des Todes. Er reitet auf seinem achtbeinigen Ross Sleipnir. Seine Gattin, die Asenkönigin Frigg, ist die Göttin der Beziehungen und beschützt alle Mütter, obwohl sie von Odin selbst häufig Untreue erfahren hat. Ihr gemeinsamer Sohn Balder ist die Güte in Person. Nachdem er von seinem Götterkollegen Loki getötet wurde, trauert die gesamte Schöpfung um ihn.

In späteren göttlichen Generationen gibt es die Geschwister Freyr und Freyja, die Fruchtbarkeit bringen und eine ertragreiche Ernte, die Gesundheit der Nutztiere und Frieden fördern sollen. Auch der bekannte Donnergott Thor wird mit Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht, doch seine große Stärke besteht darin, Chaos zu beseitigen und Riesen in Schach zu halten. Dazu setzt er seinen symbolträchtigen Hammer Mjölnir ein, dem unzählige Halsketten und andere beliebte Souvenirs ein Denkmal gesetzt haben.

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Wikinger im Wikingermuseum Foteviken, Skåne

Erlebe im Foteviken Museum in Skåne, wie das Leben der schwedischen Wikinger war.

Foto: Foteviken Museum

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Wikinger im Wikingermuseum Foteviken, Skåne

Foto: Foteviken Museum

Wikingerdorf Birka, Björkö

Foto: Claes Helander

Museum Foteviken, Skåne

Foto: Fotevikens museum

Spuren der Wikinger in Schweden und darüber hinaus

Wer genau hinsieht, kann Spuren der Wikinger noch heute im Alltag entdecken. Ihre einfallsreiche, naturnahe Lebensweise inspiriert (wieder) viele Menschen, und im Schiffbau werden ihre innovativen Techniken noch heute geachtet und teilweise verwendet.

Das Erbe der Wikinger zeigt sich auch in der modernen Sprache und in einigen Namen und Begriffen. Die Versammlung namens „Thing“ war eine frühe Version der heutigen Parlamente und Gerichte. Auf Schwedisch spricht man noch immer von „ting“ oder „landsting“. Diese Volks- und Gerichtsversammlungen dienten schon bei den Wikingern als Forum, um Streitigkeiten zu lösen und neue Gesetze zu erlassen.

Wie du bestimmt schon bemerkt hast, enden viele schwedische Familiennamen auf „-son“. Zum Beispiel bedeuten Andersson und Nilsson so viel wie „Sohn von Anders“ bzw. „Sohn von Nils“. Es waren die Wikinger, die dieses System eingeführt haben. In Irland und Schottland kennt man diese Namensstruktur übrigens auch: Das dortige Gegenstück ist das vorangestellte „Mc“.

Im heutigen Deutschland haben die Wikinger ebenfalls Spuren hinterlassen. Vom 8. bis 11. Jahrhundert war die Siedlung Haithabu bei Schleswig ein wichtiger Handelsplatz mit Bedeutung für ganz Nordeuropa.

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Das Ansgar-Denkmal (Ansgar-Kreuz), Björkö

Das Ansgar-Denkmal, auch Ansgar-Kreuz genannt, wurde 1834 zum 1000. Jahrestag von Ansgars Ankunft in Birka errichtet.

Foto: Claes Helander

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Das Ansgar-Denkmal (Ansgar-Kreuz), Björkö

Foto: Claes Helander

Wikingermuseum Foteviken, Skåne

Foto: Lukasz Burda/Tourism in Skåne

Museum von Alt-Uppsala

Foto: Kalbar/Destination Uppsala

Restaurant & Bar Aifur, Stockholm

Foto: Cheyenne Olander/Aifur

Sehenswürdigkeiten in und um Stockholm

In ganz Schweden gibt es interaktive Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse mit Bezug zu den Wikingern, die dir ihre facettenreiche Geschichte und Kultur näherbringen. Einige davon befinden sich in Stockholm und Umgebung.

Während deines Aufenthalts in der schwedischen Hauptstadt solltest du die weltweit größte Wikingerausstellung besuchen: „die Welt der Wikinger“ im Geschichtsmuseum (Historiska Museet). Sie wurde erst 2021 eröffnet und imponiert mit ihrer Vielfalt und Qualität an Exponaten. Über 2500 archäologische Funde sowie Stationen zum Mitmachen und fundierte Informationen zu zahlreichen Themen – darunter Sternkunde und Schiffbau – zeichnen ein nuanciertes Bild der Wikinger und ihrer Lebensart.

Während sich das Geschichtsmuseum auf wissenschaftliche Erkenntnisse konzentriert, setzt das Wikingermuseum (ebenfalls in Stockholm) auf Storytelling und Spannung. Dort wirst du von „Ragnfrids Saga“ mitgerissen: Auf der Fahrt mit einem kleinen Zug begleitest du ein Paar auf einer Reise. Sie beginnt auf ihrem Bauernhof Frösala Gård, bevor sie durch Plünderungen und Sklavenhandel eine dramatische Wendung nimmt.

Westlich von Stockholm liegt die Insel Björkö im Mälarsee, auf der sich das historische Freilichtmuseum Birka befindet. Es besteht aus den Überresten einer Wikingersiedlung aus dem 8. Jahrhundert. Am besten erkundest du diese bedeutende archäologische Stätte im Rahmen einer Führung. Auch das Museum und das authentisch rekonstruierte Wikingerdorf halten viel Wissenswertes bereit.

Ein weiterer Tipp sind die Königshügel bei Uppsala (Gamla Uppsala), etwa eine Fahrstunde nördlich von Stockholm. Gleich daneben befindet sich das Gamla Uppsala Museum, wo ein fesselndes VR-Erlebnis zeigt, wie der Alltag in einem Wikingerdorf ausgesehen haben könnte.

In Schweden kann man auch speisen wie ein kleiner Wikinger. In der Stockholmer Altstadt liegt das nach einem Wikingerschiff benannte Restaurant Aifur, wo Essen zum Erlebnis wird. Dort kannst du dich auf Gerichte freuen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Kultur und Kulinarik der Wikinger beruhen. Dazu fließt typischer Met in diversen Sorten. Obendrein werden Geschichten erzählt, und auch die Musik passt zum Thema.

Im Geschäft Handfaste findest du die perfekten Souvenirs, um dir ein Stück Wikingerkult mit nach Hause zu nehmen.

Weitere Sehenswürdigkeiten für Wikinger-Fans in Schweden

Auch die Ostseeinsel Gotland hält Highlights für Geschichtsinteressierte bereit. Die Hauptstadt Visby reizt mit ihrem historischen Stadtkern, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Manches dort stammt noch aus der Wikingerzeit, zum Beispiel einige der kurvenreichen Zufahrtsstraßen vom Hafen.

An anderen Stellen auf der Insel findest du Grabstätten der Wikinger. Dazu gehören das 15 Hektar große Gräberfeld in Stenkyrka mit etwa tausend Gräbern und das kleinere Exemplar am Ufer der nördlichen Nachbarinsel Fårö. Außerdem sind auf Gotland viele beeindruckende Bildsteine verstreut, unter anderem in Buttle und Hablingbo.

Auch in Skåne, der südlichsten Provinz von Schweden, wurden aufschlussreiche Überreste aus der Wikingerzeit gefunden. Um sich in die Lebensweise der frühen Nordmänner hineinzuversetzen, wurden mit Langhäusern und Burgen (sogenannten Trelleborgen) einzelne Gebäude rekonstruiert, aber auch ganze Dörfer. Im Südwesten von Skåne erwartet dich das interaktive Freilichtmuseum Foteviken: Diese authentisch nachgebaute Siedlung bildet den idealen Rahmen für lebhafte Märkte, aufregende Schlachten und allerlei Handwerkskünste. Im Sinne der experimentellen Archäologie wird dort nach Wikingerart geschmiedet, gebacken, getöpfert, gewoben und vieles mehr. Natürlich gibt’s auch eine riesige Auswahl an Wikinger-Mitbringseln.

Gar nicht weit weg liegt schon das nächste Ausflugsziel: der archäologische Themenpark VikingaTider in Löddeköpinge. Dieses 25 Hektar große Freilichtmuseum mit Weiden und Tierhaltung zeigt, wie die fruchtbare schonische Kulturlandschaft vor rund tausend Jahren genutzt wurde. Es lädt Besucher jeden Alters ein, an einer Führung teilzunehmen, sich im Handwerk zu versuchen oder originelle Spiele auszuprobieren – ganz im Stil der Wikinger.

Du siehst: In ganz Schweden – und vor allem im Süden – erwartet dich eine Fülle von Geschichten und Sehenswürdigkeiten aus der Wikingerzeit. Sie versprechen Spannung und Abenteuer, geben aber ebenso ein vielschichtiges Bild von den frühen Skandinaviern.