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Barista
Nur wenige Nationalitäten konsumieren so viel Kaffee wie die Schweden. Während Filterkaffee nach wie vor sehr beliebt ist, erhöhen Espresso-Getränke ihren Marktanteil und in Coffeeshops sind Baristas gefragt. In Schweden hat eine Kaffeepause sogar einen eigenen Namen - fika.
Fotonachweis: Alexander Ruas/Folio/imagebank.sweden.se

Schwedens Kaffeekultur: traditionsreich und doch zukunftsorientiert

Seitdem am Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Konditoreien in Schweden eröffnet haben, blüht die schwedische Cafészene immer weiter auf und findet ihren eigenen unverwechselbaren Stil. Besuche auf deiner nächsten Schwedenreise sowohl die historischen Kaffeehäuser, die sich seit Generationen bewähren, als auch die modernen Treffpunkte, die mit minimalistischem Design und kreativen Speisen punkten.

Schweden ist stolz auf seine Café-Tradition. Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts könnte man als goldene Ära des schwedischen Cafés bezeichnen. Mit der Industrialisierung wuchsen die Städte, Frauen begannen zu arbeiten und hatten immer weniger Zeit zum Selberbacken. Konditoreien füllten also zweierlei Bedarf: Die emanzipierten Damen konnten sich außerhalb der Privatwohnung bei einer Fika treffen und dabei leckeres Gebäck genießen, ohne selbst in der Küche stehen zu müssen. So belebten Konditoreien und Cafés in Schweden die Straßen. 

In Sachen Einrichtung und Innenausstattung können sich die schwedischen Cafés nicht mit den glamourösen Kaffeehäusern in anderen europäischen Städten wie Wien oder Prag messen – wollen sie auch gar nicht. Das schwedische Café war und ist ein warmer, gemütlicher Ort, an dem man sich wie zu Hause fühlen und in guter Gesellschaft entspannen kann. Ein zusätzliches Wohnzimmer sozusagen, kein Ort der großen Repräsentation. Viele der traditionellen Konditoreien aus der Anfangszeit gibt es übrigens noch immer. Gleichzeitig gedeihen immer neue Arten von Cafés, die Kaffee- und Designtrends folgen: moderne Cafés mit internationalem Touch, sowohl in der Einrichtung als auch auf der Speisekarte. 

Lust auf Zimtschnecke und Kaffee? Schweden lädt dich ein, in den charmanten Cafés sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft zu blicken.

Stockholms süße Institutionen

In den meisten schwedischen Städten findest du traditionelle Cafés und Konditoreien, die Ambiente und Einrichtung seit der Gründung vor mehreren Jahrzehnten bewahrt haben. Zum Repertoire dieser Cafés gehören schwedische Fika-Klassiker wie Prinzessinnentorte, Mazarin (Mandeltörtchen mit dünnem Zuckerguss), Vanilleherzen und Garnelensandwiches für den kleinen Hunger.

  • Eine solche süße Institution ist das Café Vete-Katten in Stockholm, das 1928 gegründet wurde und eine der authentischsten Konditoreien der schwedischen Hauptstadt ist. Im Gewirr aus Räumen und Gängen kannst du zwischen drei unterschiedlichen Stilen wählen: dem größeren Raum mit hoher Decke, den Hinterzimmern mit originalen Wohnaccessoires aus mehreren Jahrzehnten und dem lauschigen Garten im Innenhof. Wo auch immer du dich niederlässt (oder einen Platz findest, denn nachmittags wird es hier voll): Die leckeren hausgemachten Kuchen und Teilchen erklären, warum sich das Café seit fast hundert Jahren hält.
  • Das Café Sturekatten nahe dem Platz Stureplan im Nobelviertel Östermalm ist ein weiterer traditioneller Treffpunkt für Naschkatzen in Stockholm. Dass du dich hier wie in einem bürgerlichen Heim aus dem frühen 20. Jahrhundert fühlst, ist kein Zufall: Die Konditorei belegt drei Etagen eines Wohnhauses, das ab 1941 von zwei Schwestern bewohnt wurde. Und es sind die Originalmöbel der Damen, zusammengewürfelt aus mehreren Stilen und Epochen, die noch heute im Café stehen. Diese persönliche, gemütliche Atmosphäre ist einfach einmalig, und auch die große Auswahl an Kuchen und Torten macht einen Besuch in dieser „guten Stube“ zu einem Muss für Fika-Fans.

Schwedische Cafés mit Tradition und Retro-Charme

  • Die Hafenstadt Göteborg hat auch ihren Anteil an klassischen schwedischen Cafés. Das Café Ahlströms wurde 1901 gegründet und gehört damit der älteren Cafégeneration an. Viele Originalelemente aus dieser Zeit sind noch erhalten. Du kannst dich zwischen den vielen Kuchensorten nicht entscheiden? Dann probiere den Cortina-Kuchen: Die Eigenkreation des Hauses mit Creme, Nüssen, Marzipan und Pistazien wurde anlässlich der Olympischen Spiele in Cortina 1956 erfunden und ist seitdem ein Favorit der Stammgäste. 
  • Wenn du in Nordschweden unterwegs bist, solltest du in der Konditorei Wedemarks in Östersund einen Stopp einlegen. Das Art-Deco-Schild an der Tür stammt noch aus dem Gründungsjahr 1924, doch der Rest der Einrichtung ist größtenteils modern. Die bekannteste Kreation von Wedemarks ist die Sandwichtorte „Smörgåstårta“, die in den 1960er-Jahren hier erfunden wurde und mittlerweile in ganz Schweden ein Klassiker für kleine Empfänge ist. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen herzhaften Stapel aus Brotschichten mit einer köstlichen Frischkäsefüllung, der wie eine süße Torte kunstvoll verziert wird. Aber eben nicht mit Marzipan und Zuckerguss, sondern mit Garnelen, Räucherlachs, Zitrone, Gurkenscheiben und Dill.

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Die Theke bei Vete-Katten

Vete-Katten im Zentrum von Stockholm ist ein gut erhaltenes, traditionelles Café mit schwedischem Gebäck von höchster Qualität.

Foto: Susanna Blåvarg

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Die Theke bei Vete-Katten

Foto: Susanna Blåvarg

Gebäck bei Vete-Katten

Foto: Susanna Blåvarg

Zimtschnecen von Vetekatten

Foto: Susanna Blåvarg

Konditorei Ahlströms in Göteborg

Foto: Charlotte Strömvall

Internationale Fika in Stockholm

Vom französischen Gebäck bis zum weitgereisten Kaffee: Schweden nimmt in seiner Kaffeekultur gerne und oft Elemente aus anderen Kulturen auf. Besonders in den letzten Jahren haben schwedische Cafés neue internationale Einflüsse erhalten.

  • Das amerikanisch inspirierte Café Mr. Cake hat 2017 in Stockholm eröffnet und sich seitdem auch nach Göteborg ausgebreitet. Man kann darin ein Paradebeispiel für den Trend der Fusionsbäckerei sehen, die süße Spezialitäten und die Cafékultur verschiedener Länder kombiniert. Auf der Speisekarte findest du Kreationen wie „Red Velvet Croissants“, Cheesecake-Donuts und einen teuflischen Schokokuchen. Bei Mr. Cake stehen die bunten Torten und üppigen Donuts im Rampenlicht, während sich das Interieur im schlichten Industriechic in Zurückhaltung übt.
  • Die etwas abgelegene Valhallabageriet, ebenfalls in Stockholm, hat auch keine Berührungsängste vor neuen Trends. Die internationale Crew aus Bäckern und Konditoren ergänzt das sonst klassisch schwedische Angebot um internationale Favoriten wie Vanille- und Schokoladencroissants. Doch wenn es um das Fastengebäck Semla geht, bleibt man in der Valhallabäckerei der Tradition treu. Am Faschingsdienstag geht es los: Dann werden hier in wenigen Wochen um die 15.000 Semlor gebacken.

MR Cake in Stockholm

Aus den USA kommt die Inspirtation für das Gebäck und den Kuchen von höchster Qualität im Cafe MR Cake in Stockholm

Foto: Mr Cake

Die meisten Cafés in Schweden: Fika-Hauptstadt Alingsås

Nirgendwo in Schweden gibt es pro Kopf so viele Cafés wie in Alingsås: Auf knapp 30.000 Einwohner kommen über 30 Cafés. Damit qualifiziert sich das Städtchen in Westschweden für den Titel „Fika-Hauptstadt von Schweden“. Von Göteborg sind es nur 45 Minuten mit dem Zug, und schon hast du den Duft von frischgebackenen Zimtschnecken in der Nase. Folge ihm und du erreichst bestimmt das Café Viola. Dieses älteste Café der Stadt beglückt die Bewohner schon seit 1899. Um den Gaumen nach dem Zuckerrausch zu neutralisieren, bietet sich ein Fleischbällchen-Sandwich an. Ja, das sind „Köttbullar“ in einem Brötchen und in Begleitung von sauren Gurken und Rote-Bete-Salat. 

Wenn du die besten Fika-Adressen der Stadt kennenlernen möchtest, kannst du dich einer entsprechenden Cafétour durch Alingsås anschließen. Dabei kostest du dich in 90 Minuten durch süße Spezialitäten und erfährst, was es mit der Fika-Tradition und der Liebe der Schweden zum Kaffee auf sich hat.

Café Nygrens in Alingsås

Kuchen und Torten im Café Nygrens in Alingsås.

Foto: Jonas Ingman