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Ein weißer Relaxsessel von Bruno Mathsson in einem Wohnzimmer mit Türen zu einem grünen Garten.
Inneneinrichtung von Bruno Mathsson
Der Stuhl „Pernilla 3“ wurde vom schwedischen Möbeldesigner Bruno Mathsson in Småland entworfen. Die Stühle, die Mathsson entworfen hat, haben das Bild des gemütlich eingerichteten Schwedens geprägt.
Fotonachweis: Patrik Svedberg/imagebank.sweden.se

Hygge, Lagom und Co.: Das Geheimnis hinter dem skandinavischen Lebensgefühl

Erst Hygge, nun Mysig und Lagom: Seit einigen Jahren haben sich skandinavische Begriffe zu einem wahren Trend entwickelt. Und dahinter verbirgt sich weit mehr als nur ein Hype, nämlich eine ganz besondere Lebensart. Im Schweden-Urlaub bekommst du, beispielsweise bei der Fika, einen Eindruck, worauf dieser Lifestyle abzielt. Doch was ist das Geheimnis hinter dem schwedischen Lebensgefühl und wie kannst du dieses auch außerhalb deines Schweden-Urlaubs in deinen eigenen Alltag integrieren und vom schwedischen Lebensgefühl lernen?

Mit Hygge kam ein Stück skandinavische Lebensart in Deutschland

Alles begann mit dem dänischen Begriff Hygge, von dem in immer mehr Wohnzeitschriften zu lesen war. Hygge steht in Dänemark und Norwegen für ein Lebensgefühl voller Gemütlichkeit. Der Begriff wurde jedoch oft missverstanden bzw. nur oberflächlich eingeführt. Denn bei Hygge geht es um mehr als eine harmonische Einrichtung. Es geht um eine innere Haltung. Es geht um Freunde und Familie, Sicherheit und Geborgenheit. Hygge, das kann ebenso gut ein Ausflug zum See im Kreise der liebsten Menschen, als auch das warme Licht einer brennenden Kerze sein. Es geht um das Genießen des Augenblicks, um das Besinnen auf die einfachen Dinge und darum, sich selbst und anderen etwas Gutes zu tun. Hygge lässt sich nicht so einfach übersetzen. Doch machte Hygge den Anfang einer Reihe skandinavischer Begriffe, die das entsprechende Lebensgefühl in die deutschen Wohnzimmer bringen sollen.

„Mysig“: Die schwedische Gemütlichkeit

Dass in Deutschland die skandinavische Lebensart für erstrebenswert gehalten wird, hat sicher viel damit zu tun, dass die Menschen im Norden Europas als besonders glücklich und zufrieden gelten. So liegen nach dem World Happiness Report 2022 Finnland auf Platz eins und Dänemark auf Platz zwei der glücklichsten Länder. Schweden erreicht Platz sieben des Rankings. Deutschland befindet sich hingegen auf Platz 14. Das bedeutet, in puncto Glück und Zufriedenheit ist durchaus noch Luft nach oben. Und wenn du beim Schwedenurlaub Freiheit und Entspannung erlebst, möchtest du dieses Gefühl im Anschluss auch gerne mit nach Hause nehmen.

Auch in Schweden kennt man das Adjektiv hyggelig. Hier benennt es allerdings einen angenehmen und sympathischen Menschen. Das schwedische Gemütlich heißt „mysig“. Und vielleicht erinnert dich dieses schwedische Wort ja auch ein wenig an das deutsche Wort „Müßiggang“, dessen Pflege letztendlich ebenfalls zur Zufriedenheit beiträgt. Ein wichtiges Wort im Schwedischen ist "fredagsmys", die Freitags-Gemütlichkeit. Fredagsmys bezeichnet den Abend, an dem man sich mit der Familie oder mit Freunden auf der Couch trifft und mit Tacos, Chips oder Süßigkeiten sowie einem guten Film ins Wochenende startet. Seit 2006 findet sich Fredagsmys im offiziellen Sprachbuch des Schwedischen, der SAOL.

Lagom: Wie in Schweden die goldene Mitte finden

Während das schwedische Mysig tatsächlich eine heimelige Gemütlichkeit meint, ist es hier der Begriff Lagom, der weiter in die Tiefe geht und ein bestimmtes Lebensgefühl umfasst.

Es gibt eine Legende, nach der die Wikinger „Lag om!“ sagten, wenn der Met rumgereicht wurde und damit zum Ausdruck brachten, dass dafür gesorgt sei, dass alle genug bekommen.

Weder zu viel, noch zu wenig, sondern ausgewogen, das erklärt die Bedeutung des Wortes Lagom. Lagom ist das, was du für einen ausgeglichenen Lebensstil brauchst. Lagom ist die Ablehnung von allem, was zu viel, zu laut, zu fordernd oder zu aufregend ist. Es geht darum, die goldene Mitte zu finden, die richtige Position – den idealen Weg für jeden Einzelnen. Dabei spielt Individualität eine entscheidende Rolle: Jeder soll für sich selbst herausfinden, was für ihn richtig und wichtig ist. Bei Lagom geht es auch um einen achtsamen Umgang mit meinem Gegenüber. Es geht darum, gut zuzuhören und dem Gegenüber Verständnis entgegenzubringen. Darüber hinaus wird Jammern in Schweden nicht gerne gesehen, weil das Jammern an der Situation auch nicht ändern würde. Stattdessen wird versucht, gelassen mit unangenehmen Situationen umzugehen. Das Gleiche gilt für Klatsch und Tratsch: Er wird in Schweden als unnötig und überflüssig angesehen und deswegen vermieden. Auch all das gehört zum Begriff Lagom dazu.

In jüngerer Vergangenheit hat sich der Begriff Lagom jenseits der Grenzen Schwedens zu einem Trend entwickelt und es entstand daraus ein Lebensstil, der nicht zuletzt eine ausgewogene und nachhaltige Lebensweise beinhaltet. Daran kannst auch du dir ein Beispiel nehmen und versuchen, mit Lagom den hektischen Alltag etwas zu entschleunigen und dich auf die für dich wesentlichen Dinge zu konzentrieren.

Zwei lächelnde Frauen neben einem Kind.

Familie

Familienzeit in Schweden

Foto: Maskot/Folio/imagebank.sweden.se

Tipps: So kannst du ein Stück schwedisches Lebensgefühl in dein eigenes Leben integrieren

Da die Schweden laut dem Happiness-Report deutlich glücklicher sind als die Deutschen, lohnt es sich, dir was von der schwedischen Lebensart abzuschauen und ein Stück des skandinavischen Lebensgefühls in dein eigenes Leben zu integrieren. Das kann dir auf unterschiedliche Art und Weise gelingen:

Mach es dir „mysig“: Mit einer gemütlichen Einrichtung im Scandi-Style kannst du für ein Stück schwedische Lebensart in deinen eigenen vier Wänden sorgen. Dabei kannst du über Schränke im skandinavischen Design bis hin zu warmem Licht durch Kerzen für echte Gemütlichkeit sorgen. Die Farbpalette des skandinavischen Stils reicht von weiß über sanfte Beigetöne und zarte Farben bis hin zu tiefen Blau-, Grün- und Brauntönen. Es sind die Farben der Natur, die für eine harmonische Optik und ein entspanntes Umfeld sorgen. Und mit einer entspannten Einrichtung kannst du ja vielleicht bereits für eine erste innere Gelassenheit sorgen.

Die äußeren Rahmenbedingungen für ein skandinavisches Lebensgefühl sind damit leicht gegeben. Doch wie oben beschrieben, geht es bei Lagom um weitaus mehr als nur die Einrichtung. Es ist eine innere Haltung, die du erlernen kannst. Während es dir im Urlaub in Schweden vielleicht ganz leichtfällt, die Seele baumeln zu lassen und deine innere Mitte zu finden, wird es im Alltag schwieriger, in unterschiedlichen Lebensbereichen Maß zu halten. Doch oft sind es die kleinen Dinge, die einen Unterschied machen können.

  • Was dabei hilft, ist, für Pausen zu sorgen, Ruheinseln zu schaffen – zum Beispiel mit einer Fika, der schwedischen „Kaffeepause“ mit Naschwerk und guten Gesprächen. Triff dich mit Freunden in einem gemütlichen Café, sei ganz im Moment und vergiss Termine und To Do’s mal für kurze Zeit. Stattdessen kannst du versuchen, ganz wie es bei Lagom üblich ist, dich ganz auf das Gespräch mit den Freunden einzulassen und aufmerksam zuzuhören, anstatt, während das Gegenüber spricht, schon wieder in Gedanken zu überlegen, was du als nächstes sagen möchtest. Oder du trinkst ganz für dich in Ruhe eine Tasse Kaffee oder Tee und konzentrierst dich für fünf Minuten nur darauf, anstatt das Getränk nebenbei am Computer zu trinken.
  • Du kannst auch versuchen, achtsamer zu werden. Ganz konkret können Achtsamkeitsübungen, Progressive Muskelentspannung und Meditationen zu einer entspannteren Grundhaltung beitragen. Dadurch kannst du gelassener mit Stress umgehen und auch lernen, passend zu Lagom nicht mehr zu jammern, weil das niemals etwas an einer Situation ändert und damit Zeitverschwendung ist.
  • Es ist auch empfehlenswert, weniger den gesellschaftlichen Idealen oder der ach schön inszenierten Welt von Instagram & Co hinterherzulaufen und stattdessen herauszufinden, was für dich richtig ist. Wie oben beschrieben, geht es darum, den für dich idealen Mittelweg zu finden und nach deinen eigenen Wertvorstellungen zu leben. Steh zu deiner Individualität und sei einfach du selbst.
  • Auch Klatsch und Lästern ist in Schweden nicht gerne gesehen – auch davon kannst du lernen und damit mehr von der schwedischen Gelassenheit in deinen Alltag integrieren – getreu dem Motto „Leben und leben lassen“. Du wirst sehen, dass dieser Bestandteil von Lagom dich deutlich glücklicher machen wird, denn wenn du weniger lästerst, lässt du sehr viel Negativität los und konzentrierst dich stattdessen auf die Dinge, die wirklich wichtig sind im Leben.

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